Badisches Tagblatt, 25. Februar 2019

Akkurat in der Komik, punktgenau im Timing, physisch fordernd

Ein frommes Unterfangen sei das Streben nach dem friedlichen Miteinander der Menschheit. Das Thema, das laut Bürgermeister Frank Kiefer zu jeder Zeit in die Welt passt, greifen sieben Akteure der Volksschauspiele Ötigheim auf der Kleinen Bühne mit der irrwitzigen Komödie Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde auf.

Sebastian Kreutz inszenierte die leichte, spritzige Story von Joao Bethencourt akkurat in der Komik, punktgenau im Timing und physisch fordernd, motivierte die Amateurdarsteller zu staatstheaterreifen Leistungen. Das flotte Stück bietet in jeder Sekunde eine genüssliche Achterbahnfahrt fern vom Alltag.Die energiestrotzenden Akteure bewegen sich in einem detailreichen Bühnenbild von Michael Lerner, Sebastian Bihlmeier, Zeljko Grcic und Michael Tubach. Eingespielte Songs unterstreichen inhaltlich die Botschaft des Stücks. Die Rollen sind allerfeinst erarbeitet. In schierer Verausgabung breitet Sabine Patzelt brillant die facettenreiche, geballte Emotionswelt der quirlig taffen Sara Leibowitz aus. Sara lebt in New York, hat zwei Teenagertöchter, schmeißt Erziehung, Haushalt, hält die Familie mit gutem Essen in der Balance, setzt sich mit den verrückten Ideen ihres Ehemanns Sam auseinander. Einst war dieser Sprengmeister in Afghanistan. Dort verlor die Familie den Sohn, dessen Tod das Paar kaum verkraftet.Roman Gallion ist der Taxifahrer Sam in einer schauspielerischen Tour de Force mit überbordender Dynamik, Verschmitztheit und Cleverness. Als Sam am 14. Juli 2030 nach Hause kommt, hat er den Papst im Schlepptau. Dieser ist auf Staatsbesuch in der Stadt. Auf dem Weg zu einer zweitägigen Auszeit in einem Karmeliterkloster steigt er in Sams Taxi und wird spontan von diesem entführt. Sam fordert einen 24-stündigen Weltfrieden, in dessen Verlauf kein Mensch einen anderen tötet.

Als geselliger, wohlmeinender Pontifex mit großer Menschenkenntnis und Fairness erklimmt Pfarrer Erich Penka in roten Gummiclogs den Heiligen Stuhl, zumindest auf der Bühne. Papst Albert IV. landet in der koscheren Speisekammer seines Entführers, wird aber von Sara ruckzuck ins Familienleben integriert, hilft ihr beim Kartoffelschälen und spielt Schach mit Rabbi Meyer. Den pfiffigen jüdischen Geistlichen mit einer Ader zur Hinterhältigkeit gibt Stefan Brkic, dem besonders die Leibowitz-Tochter Rebecca (Eva Beckert) mächtig zusetzt, als herauskommt, dass der Rabbi die Polizei über den Aufenthaltsort des Papstes informierte. Schnell ist das Leibowitz-Haus von Einsatzkräften umstellt. Miriam Leibowitz (Leah Patzelt) hat per Fernglas die Situation im Blick. Für Unbilden sorgt außerdem Kardinal O’Hara (Kurt Tüg in einer Paraderolle, die seiner imposanten Statur und großen Bühnenerfahrung gerecht wird). Am Schluss wird dank des Papstes alles gut. Um die Komödie perfekt abzurunden, erledigen Lukas Späth, Christian Bauer und Benjamin Geddert das Spiel mit dem Licht. Den Ton besorgen Steffen Sachsenmeier und Lothar Höfele.Die Kostüme stammen von Olga Knack, Ellen Bolender, Patricia Krebs und Petra Schorpp. Alle Vorstellungen für Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde auf der Kleinen Bühne sind bereits ausverkauft, im Herbst kommt die bei der Premiere am Freitag stürmisch gefeierte Komödie als Wiederaufnahme zurück. (Manuela Behrendt)

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