Galerie Ortenau, 11. August 2016

ORSO – Rock Symphony Night IV in Ötigheim

Mit großer Erwartung pilgerten am 10. August knappe 4000 Besucher zur Freilichtbühne nach Ötigheim, um einem Konzerterlebnis der Spitzenklasse zu lauschen. Das Orchester ORSO aus Freiburg lud ein zu seiner Reihe Rock-Symphony Night, in ihrer 4. Ausgabe. Die Voraussetzungen waren bei feuchtem und kaltem Wetter für die Musiker nicht gerade einfach.

Das 200-köpfige ORSO-Ensemble besteht aus 120 Musikern, einem 60-80 köpfigem Chor, einer Rockband und großartigen Gesangssolisten. Es steht unter der Leitung des Komponisten, Arrangeurs, künstlerischen Leiters und Dirigenten Wolfgang Roese, der mit seinen jungen Jahren schon etliche große Werke erarbeitet und aufgeführt hat. Es ist erstaunlich, mit welchem Elan, welcher Feinfühligkeit und Inspiration er es versteht das Konzert zu führen und es zu musikalischen Glanzstücken zu bringen. Dabei sind es die besonderen Arrangements, die das Publikum faszinieren, begeistern oder verunsichern.

Wolfgang Roese überschreitet mit seinem Orchester oftmals die Grenzen verschiedener Musikgenres. Da werden symphonische Musikdichtungen aus der klassischen E-Musik, mit Werken von Ravel, Mahler oder Strawinsky gemischt mit den Musiken von Rocklegenden wie Led Zeppelin, Queen oder Eric Clapton aus dem U-Musik Genre. Man merkt es nicht, oder kaum, wenn sich aus einem klassischen Stück die Musik wandelt in ein bombastisches Stück wie zum Beispiel Kashmir von Led Zeppelin. Selbst Menschen, die der klassischen Musik nicht so zugewandt sind werden dadurch verzückt und begeistert. Und genau das ist es, was der Komponist Wolfgang Roese erreichen will, was ihn mit Stolz erfüllt.

Wenn dann noch Elemente des Jazz und des Musicals mit in diese Konzertreihe eingebunden werden, erhält die Bedeutung einer Rock Symphonie Night ein total anderes Bild. Und so ging es wahrscheinlich einigen Besuchern, wie auch mir, die sich zuerst mal an diese Symbiosen der Musik gewöhnen mussten. Um dann aber von der Klangfülle, der Stärke und der Präsenz der Programmstücke begeistert zu sein.  Die brachiale Stärke des Orchesters, gepaart mit der Musikalität des Chores, der mal leise, mal laut unterstützend mitwirkte, machte jedes Lied zu einem Hörgenuss. Aber auch die leisen Töne erzeugten eine Spannung, die sich mehr und mehr aufbaute. Dazu gab es dann Solisten, die mit ihren wirklich tollen Stimmen die Musikstücke untermalten und ihnen den besonderen Kick brachten.

Das Programm war gespickt mit Klassikern der Rock-, Jazz-, Pop- und Musicalgeschichte. Da war ein Medley als Tribute to Robbie Williams, hervorragend interpretiert von Mennana Ennaoui, einer Rockröhre aus Marokko, die mit ihrer Stimme in mehreren Solo- und Duettstücken überzeugte mit ihrem Partner Alex Melcher. Alex Melcher dürfte einigen bekannt sein aus den Musicals We will Rock you, wo er den Galileo spielte, und aus  Hinterm Horizont, wo er Udo Lindenberg verkörperte. Die amerikanische Soul und Jazzsängerin Brenda Boykin, immerhin schon knapp 60 Jahre alt,  riss das Publikum bei ihren Interpretationen von The Man I Love (Gershwin) und Cheek to Cheek und vor allem bei Led Zeppelin`s Kashmir zu Beifallsstürmen hin. Mit Susanne Müller, die schon viele Jahre, ebenso wie Gunnar Schierreich zum Ensemble von ORSO gehören, kamen die eher klassisch herkommenden Stücke wie Glitter and be gay aus dem Musical Candice oder Caruso, gewidmet dem großen italienischen Sänger Enrico Caruso, zur Geltung. Letztendlich noch die Solistin Josy Santos, eine Mezzo Sopranistin, die schon an großen Theatern, unter anderem am Theater Stuttgart, spielte, und die mit Los Payaros Perdidos und dem Aqurelo do Brasil einen Hauch von Latein Amerika ins Oval zauberte. Durch das Programm führte mit viel Charme und Esprit das kleinste Musicalensemble Die Stammzellenformation mit Nini Stadlmann und Tom van Hasselt.

 Hinzu kamen Stücke wie I want it all, Whole Lotta Love, That`s the Way, eine Hommage an David Bowie mit Space Oddity, Dream On. Opulente Musiken, die teilweise mit Standing Ovations begleitet wurden. Anekdote in Bezug auf Begleitung war die nette Dame neben mir, die wie sich bei einem Gespräch herausstellte, eine ehemalige Choristin war, und die bis vor kurzem selbst bei ORSO mitwirkte. Jedes Stück sang oder summte sie leise vor sich hin, und man spürte wie ihr Herz noch immer für den Chor schlug. Als mit „Smoke on the Water“ von Deep Purple das letzte Stück angekündigt wurde hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Euphorisch wurde das Orchester gefeiert und bejubelt. Nicht endend wollender Applaus brauste auf und so war es klar, dass die Zugabe kommt. Vier Musikstücke, rockig poppig, lustig oder auch klassisch, wurden zum Besten gegeben, ehe mit We will rock You nach 4 Stunden ein Abend voller Emotionen, Eindrücken, und neuen Erfahrungen über die Rock Symphony zu Ende gingen. ORSO kommt im nächsten Jahr zwei Mal wieder in die Arena der Freilichtbühne Ötigheim. Dann einmal klassisch mit Verdis Requiem und mit Rock Symphony V. Ein Muss für jeden Klassik Fan. Und bestimmt wieder mit mir! (Michael Barbian)

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