Badische Neueste Nachrichten, 21. August 2014

Tief in die Kiste Oldies-but-Goldies

Für den Badener entwickelt sich der Name Marshall mehr und mehr zum Markenzeichen. Unter dem Motto Deutsche Evergreens bescherte die stimmgewaltige Familie den Freilichtbühnenfans eine eindrucks- und klangstarke Retrospektive in die Musikhistorie.

Sowohl Vater Tony als auch seine Söhne Marc und Pascal mit ihren jeweiligen Duett-Partnern Jay Alexander und Jill Morris sind ganz tief eingetaucht in die Oldies-but-Goldies-Kiste. Jede Menge Songs, die generationsübergreifend Erinnerungen wach riefen, hatte der Nachwuchs dabei entdeckt. Der Vater hat das Ganze indessen wörtlich genommen und stand mit alten Kameraden wie Mr. Hitparade Dieter Thomas Heck sowie Chris Roberts und Bata Illic am Mikrofon, optisch umrahmt von Kulissen, die an Wilhelm Tell, das Schwarzwaldmädel und den Glöckner von Notre Dame erinnern.

Erinnern, das war das Thema überhaupt. Denn dieses Mal heiße es nicht einfach nur Marshall & Alexander, unterstrichen der Tenor und der Bariton gleichermaßen, dass auch dem Publikum eine gewisse Mitwirkungspflicht zukomme. Klappte es anfangs nicht ganz so mit dem Mitsingen, weil die Zuschauer Jay Alexander ganz einfach im Regen stehen ließen, als er zur laufenden Musik schweigend verharrte, gelang es den Stargästen sehr schnell die Erinnerungen an alte Songs zu mobilisieren. Anders als die Interpreten selbst waren ihre einstigen Hits kaum in die Jahre gekommen.

Während sich das Trio, das – lang, lang ist’s her – die deutschen Charts immer wieder aufzumischen verstand, sich gegenseitig auf dem Weg zur Bühne stützte, klangen die Lieder wahrlich „immergrün“. Innerhalb weniger Minuten gelang es den gut gelaunten Barden, die Gäste von den Stühlen zu reißen. Mehrheitlich längst in Ehren ergraut, zeigten sie, was echte Fans sind. Die haben nichts vergessen, auch die Stars von einst nicht. Während der modische Kram wie Peter Maffays Und es war Sommer sowie Nino de Angelos Jenseits von Eden wohlwollend angenommen wurde, steppte bei Bully Buhlans Habn Sie nicht ne Braut für mich und dem kleinen Ausflug in den Vico-Torriani-Film Ein Herz voll Musik wahrlich der Bär. Und obwohl er nicht der Vater von Jay ist, wie immer mal wieder vermutet wird, hatte der inzwischen verstorbene Peter Alexander zu guter Letzt auch noch ein Wörtchen mitzureden, als es Sag zum Abschied leise Servus hieß.

Der soll übrigens nicht für immer sein, kündigten Marc und Jay an, dass sie 2015 wieder am Start sein wollen. Dann blickt das erfolgreiche Duo auf 15 Jahre gemeinsamen Schaffens zurück und will dies mit einer speziellen dreitägigen Ötigheim-Veranstaltung gebührend zelebrieren. (Christiane Krause-Dimmock)

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