Badisches Tagblatt, 4. April 2016

Neuausrichtung bei den Volksschauspielen

Den Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) am Freitag im Geschwister-Scholl-Haus bildeten der im Herbst anstehende Generationenwechsel in der Führungsriege sowie die zukunftsfähige Neuausrichtung der Organisationsstruktur des Theatervereins.

Werner Sachsenmaier, der seit 1969 dem Vorstandsteam angehört, gibt nach 21 Jahren als geschäftsführender Vorstand dieses wichtige Amt im Oktober in die Hände von Maximilian Tüg. Der 28-Jährige ist im Hauptberuf angehender Steuerberater, bereitet sich schon seit einigen Jahren auf sein künftiges VSÖ-Ehrenamt vor, allerdings ist seine zeitliche Inanspruchnahme aus beruflichen Gründen begrenzt, so dass zusätzlich die Geschäftsstelle Aufgaben aus dem Vorstandsbereich übernimmt.

Im kommenden Jahr kandidieren zudem bei den Wahlen der Verwaltung mehrere Schlüsselpersonen nicht mehr. Angesichts dieser Situation wollen die VSÖ ihre Chance für Nachwuchskräfte nutzen und potenzielle Kandidaten gezielt ansprechen. So hatte man es vom 16. bis 18. Oktober während einer Klausurtagung des Vorstands in Zell am Harmersbach unter professioneller, externer Moderation erarbeitet. Die Ergebnisse stellten Pfarrer Erich Penka und Bürgermeister Frank Kiefer als Vorsitzduo der VSÖ vor. Man ist sich in den Reihen der VSÖ klar darüber, dass sich der Mix aus Haupt- und Ehrenamt wandelt, wobei sich das freiwillige Engagement reduziert und mehr Verantwortung auf der Geschäftsstelle lastet, die man entsprechend zu ertüchtigen gedenkt. Gestärkt werden in Zukunft die Verantwortlichkeiten des musikalischen Leiters, den man enger in die Entscheidungen des künstlerischen Ausschusses einbinden will.

Zur Steigerung des Stellenwerts der Jugendarbeit schaffen die VSÖ die Funktion eines Jugendreferenten, der sich für alle Belange der Jugendlichen einsetzt. Wir sind im Lauf der Zeit rasch und erfolgreich gewachsen, haben aber auf unserem Weg nicht restlos alle mitgenommen, stellte Darsteller und Regisseur Matthias Götz fest. Dass es mittlerweile an interner Koordination und Absprachen hapere, kreidete er nicht an, sondern ließ lediglich durchblicken, dass der junge Chor komplett für Kiss me, Kate eingebunden sei, wodurch es dem Stück Les Misérables an Gendarmen und revoltierenden Studenten fehle, so dass man Aufrufe nach Statisten starten musste.

Eine Mitgliederbefragung nach Abschluss der Saison 2016 soll Aufschluss über Wünsche, Bedürfnisse und Ideen der Spieler und Mitglieder bringen. Man stellt die Weichen, um in kommenden Spielzeiten allen VSÖ’lern gerecht zu werden. Außerdem streben die VSÖ die Einbringung einer Verfahrenstechnik an, die eine mittel- und langfristige Spielplanerarbeitung ermöglicht, so dass der Bühnenbildumbau besser geplant werden kann. Insgesamt verzeichneten die VSÖ Einnahmen in Höhe von 1,95 Millionen Euro. Nach Abzug aller Kosten sowie der Tilgung von Zinsen und Darlehen stand am Ende des Kalenderjahres ein Plus von rund 121 000 Euro. Die VSÖ sind seit Ende 2015 komplett schuldenfrei, betonte Geschäftsstellenleiter Marc Moll. Kurt Tüg gab Einblicke in die Arbeit eines Finanzprüfers. Er lobte die Gastspiele als gute Einnahmequelle, riet jedoch, zur besseren Ergebnissteigerung verstärkt auf Eigenproduktionen zu setzen, um sich aus der Abhängigkeit von Gastspielen und Zuschüssen zu bewegen. Mit 608 Aktiven sind die VSÖ für Eigenproduktionen gut aufgestellt. Insgesamt hat der Verein 1 566 Mitglieder, wie Rudi Wild (Spielbetrieb) informierte.

Werner Sachsenmaier, geschäftsführender Vorstand, blickte auf die baulichen Veränderungen auf dem Tellplatz, darunter die Heizungsinstallation mit Anschluss an das öffentliche Gasnetz, die Isolierung von Garderobengebäudedach und Hauptbau sowie die Vollendung des neuen Vordachs am Tellplatz-Casino. Sachsenmaier informierte weiter, man habe ein umfassendes Sicherheitskonzept für Besucher und Mitwirkende in Auftrag gegeben. Für den Spielervorstand berichtete Sabine Speck aus dem Jahresgeschehen, Sadek Achache gab Einblick in die Vereinsorganisation, Robert Walz beleuchtete die Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit und Sven Engel informierte über die Aktivitäten des Jugendbeirats. (Manuela Behrendt)

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