Badisches Tagblatt, 27. August 2015

Musikalische Zeitreise von Klassik bis Barock

Es kam zu dem versprochenen rauschenden Fest auf der Freilichtbühne Ötigheim, die Zeit wurde gnadenlos überschritten, und nach fast dreieinhalb Stunden feierten die Besucher das Erfolgsduo Marshall & Alexander mit stehenden Ovationen ohne Ende. Wo ihre Zusammenarbeit mit der Opernproduktion der Zauberflöte begann, mit Jay Alexander als Tamino und Marc Marshall als Papageno, wurde der 2001 gestartete erste Soloabend der beiden sofort zum Renner. Seither gastieren sie in ihrer Musikwerkstatt alljährlich an zwei Abenden vor ausverkauftem Haus, zum 15-Jährigen gönnten sie ihren Fans erstmals drei Konzertabende, und dabei wird es auch in den kommenden Jahren bleiben.

Mit ihrem jungenhaften Charme und flapsiger gegenseitiger Anmache hatten sie das Publikum sofort auf ihrer Seite, das während der musikalischen Zeitreise in ihren größten Hits schwelgen durfte. Begleitet von ihrer exzellenten Band um den langjährigen musikalischen Leiter und Multiinstrumentalisten Frank Lauber führten sie die Besucher zurück zu ihren Wurzeln, als mit If you could see me now im Mai 1997 der Grundstein zu ihrer gemeinsamen Karriere als Duo gelegt wurde.

Ihre schönsten Balladen wie If you stand by me oder Darling, stimmungsvoll gesungen auf der in weiches Rot oder lyrisches Blau getauchten Bühne, immer ganz nah dran am Publikum, verfehlten ihre Wirkung nicht. Dass Marc Marshall mit seinem ausdrucksvollen, reifen Bariton und Jay Alexander mit seinem strahlend schönen, raumgreifenden Tenor daneben auch erfolgreich ihre Solokarrieren verfolgen, kam bei ihren Fans ebenfalls gut an. Passend zu Luna aus Alexanders Album Geh? aus mein Herz, mit dem er Platz eins der Deutschen Klassikcharts hält, leuchtete ein Dreiviertelmond über der Freilichtbühne, wie es stimmungsvoller nicht hätte sein können. Den Kontrapunkt dazu setzte Marshall mit dem sinnlich-rhythmischen High Heels von seiner neuen Scheibe Die perfekte Affäre und katapultierte sich damit als smarter Womanizer direkt in die Herzen der weiblichen Fans. Als echten Kracher hatten die beiden sogar ein Metal-Medley im Gepäck und rockten mit langen Perücken die Bühne bei Highway to hell und Born to be wild, da gab es auch bei den jubelnden Besuchern kein Halten mehr.

Nach der Pause ging es jazzig weiter mit dem von Pat Fritz geschriebenen Some Day und dem mitreißend rhythmischen Little latin Lupe, beim dem Marc Marshalls groovender Hüftschwung wahre Beifallsstürme hervor rief.

Wieder geerdet von Jay Alexanders Anruf an die Geborgenheit schenkenden wunderbaren Mächte war es schlicht ergreifend, als sich das Publikum bei Über sieben Brücken musst du gehen erhob, an den Händen fasste und demonstrativ als großer Chor ein Zeichen für Frieden und Freundschaft setzte. Ihr einstiger Glücksbringer, das hinreißende La Stella piu grande durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie Charlie Chaplins This is my song, und dann ging die Party erst richtig los. Zu ihrem grandiosen Italien-Hit-Medley versammelten sich alle Musiker um die rasch herein getragene Tafel und bei Hits wie Azzurro, Mama Leone oder Marina tobte auf der Bühne die pure Lebensfreude und das Publikum war völlig außer Rand und Band. Trotz vorgerückter Stunde waren Zugaben unerlässlich, und das denkwürdige Konzert endete mit Hand in Hand ebenso stimmungsvoll wie es begonnen hatte, bevor der minutenlange abschließende Jubel aufbrandete. Das dritte Konzert findet heute statt. (Cornelia Hecker-Stock)

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