Badisches Tagblatt, 28. Juli 2014

Im Funkenregen: Musik ferner Länder

Ferne Länder haben schon immer die Fantasie beflügelt. Für Komponisten boten die in der Regel nie selbst bereisten fremden Kontinente die Möglichkeit, mit ungewohnten Klangfarben und Rhythmen zu experimentieren. Ulrich Wagner, der musikalische Leiter der Volksschauspiele Ötigheim, wird bei der Zusammenstellung des Programms für Zauber der Exotik die Qual der Wahl gehabt haben. Aus der Fülle von Opern, Balletten und Konzertstücken, die entweder in entlegenen Gebieten spielen oder sie musikalisch beschwören, destillierte Wagner für das zwei Mal aufgeführte Festliche Konzert ein abwechslungsreiches Programm, in dem sowohl die Ötigheimer Chöre als auch die Ballettgruppe der Volksschauspiele bestens zur Geltung kamen.

Das um Gäste erweiterte Orchester der Volksschauspiele Ötigheim spielte hoch professionell, ob Barock, Operette oder Filmmusik. Frische Tempi, klare Akzentuierung und prickelnde Rhythmik prägten den Orchesterklang. Seinen großen Auftritt hatte das Orchester mit der temperamentvoll und farbenprächtig interpretierten Filmmusik aus Fluch der Karibik.

Sehr vergnüglich war das Multitasking der Musiker, die während des Musizierens fröhlich nach Bakschisch rufen konnten und beim Ägyptischen Marsch von Johann Strauss den Kinderchor durch Mitsingen unterstützten. Ulrich Wagner ist im Hauptberuf Leiter des Badischen Staatsopernchores. Diese Erfahrung tut den Ötigheimer Chören hörbar gut. Der Große Chor der Ötigheimer Volksschauspiele fing in den zwei Chorsätzen aus Bizets Oper Die Perlenfischer die Dramatik von Dort im Höllenschlund ein und traf in Allmächt’ger Gott, Brahma den sakralen Tonfall. Klangvoll und mit gelungenen dynamischen Nuancen sangen der Große und der Junge Chor den Triumphmarsch aus Verdis Aida. Eine in jeder, auch in feuerwerkstechnischer, Hinsicht zündende Schlussnummer, die als Zugabe wiederholt wurde.

Bis zu diesem funkensprühenden Finale bestach der Kinderchor in dem Ausschnitt aus Puccinis Turandot durch klangschönes Singen. Der Junge Chor machte, mit Blumen im Haar und den Solisten Lee-ann Dunbar und Carlo Jung-Heyk Cho, aus der Nummer Sieben Jahre lebt ich in Batavia eine witzige Operettenszene. Viel Beifall erhielt auch die Ballettgruppe. Insgesamt 50 Kinder und Jugendliche zeigten die ganze Bandbreite tänzerischen Könnens, die sich auf Amateurbasis vermitteln lässt. In a Persian Market verband orientalisches Treiben mit klassischer Haltung. Die Ausschnitte aus Minkus‘ Ballett La Bayadère“ setzten die jüngsten Mitglieder der Ballettgruppe genauso schön in Szene wie die großen Tänzerinnen, die schon souverän auf Spitze tanzen oder, wie die Solistin der indisch gewandeten Tänzerinnen, durch Sprungsicherheit und Bühnentemperament auf sich aufmerksam machen.

Zu einem glanzvollen Festkonzert gehören natürlich auch die Solisten. Ulrich Wagner traf mit Lee-ann Dunbar und Sarah Alexandra Hudarew eine perfekte Wahl für das reizvolle Duett von Sopran und Mezzo aus der Oper Lakmé. Ganz große Oper boten Lee-ann Dunbar und Carlo Jung-Heyk Cho mit dem Duett von Butterfly und Pinkerton aus dem Finale des ersten Aktes von Madama Butterfly. Regelmäßigen Besuchern des Badischen Staatstheaters Karlsruhe wird Jung-Heyk Cho noch als Prinz in der Operette Land des Lächelns in Erinnerung sein. Daraus sang er kraftvoll und höhensicher die Arie Dein ist mein ganzes Herz, an der viele andere Tenöre scheitern. Der inzwischen in Luzern engagierte Koreaner brillierte in dieser Arie ebenso wie in „Ein Paradies am Meeresstrand“ aus der Operette Die Blume von Hawaii.

Mit Humor und Charme führte Richard Danner durch den Zauber der Exotik, der dank des Könnens aller Mitwirkenden in der Tat musikalisch ganz zauberhaft wirkte. (Nike Luber)

zurück zum Pressespiegel