Pforzheimer Zeitung, 6. August 2018

Mörderische Intrigen in der Abtei

Nebel wallt, in den Türmen leuchten geheimnisvolle Lichter auf. Gestalten in der schwarzen Kutte der Benediktiner huschen durch das nächtliche Dunkel. Bettina Scholzen hat mit dem Bühnenbild und der Beleuchtung eine stimmungsvolle Atmosphäre geschaffen für die schrecklichen Morde in Der Name der Rose.

Nach einem ersten Anlauf vor ein paar Jahren kommt Claus J. Frankls Theaterstück nach Umberto Ecos gleichnamigen Bestseller erneut auf die Bühne der Volksschauspiele Ötigheim.

Regisseurin Rebekka Stanzel spielt geschickt mit den vielfältigen Auf- und Abgängen des Bühnenbilds. Im Vordergrund, sozusagen wie mit einem Augenglas vergrößert, das Skriptorium der Abtei, in der gestritten, gelogen, gestohlen und gemordet wird. Das Ensemble der Volksschauspiele erfüllt die wortgewaltigen Dialoge und die Ansammlung seltsamer Charaktere mit Leben.

Das ist eine grandiose Leistung, denn die oft wörtlich von Eco übernommenen verbalen Auseinandersetzungen sind komplex und geschliffen formuliert. Fritz Müller verleiht William von Baskerville, dem Meister scharfsinniger Schlussfolgerungen, eine sympathisch bescheidene, natürliche Ausstrahlung. Das passt zum Charakter des weitgereisten, uneitlen Franziskanermönchs, der gleich nach seiner Ankunft in die mörderischen Intrigen der Abtei hinein gezogen wird.

Der Abt, von Kurt Tüg mit entsprechender Autorität gespielt, bittet William, den tödlichen Sturz des Mönchs Adelmus aufzuklären. Doch dessen Tod ist erst der Anfang. Während sich die Leichen häufen, erlebt Williams Gehilfe, der naive Novize Adson, seine erste und vermutlich einzige Liebe zu einem namenlosen Bauernmädchen. Sie, die Rose, deren Namen Adson nie erfährt, fällt dem erbarmungslosen Inquisitor Bernard Gui zum Opfer.

Denn das Geheimnis der Abtei wird unter Einsatz aller Mittel gehütet. Die Mönche legen für William allerlei falsche Spuren aus, als der berüchtigte Inquisitor mit Bewaffneten eintrifft, um bei einem diplomatischen Treffen die Partei des Papstes zu vertreten. Der eitle, selbstgewisse Gui nutzt die Todesfälle, um seinem alten Feind William eins auszuwischen und die Lösung sozusagen aus dem Ärmel zu schütteln.

Matthias Götz zeichnet diesen Gui treffend als geschickten, gefühllosen Manipulator, der den behinderten Salvatore benutzt, um den Verwalter Remigius als Ketzer und Mörder zu überführen. Tobias Kleinhans gibt einen rundum überzeugenden Salvatore, dessen Art eine Mischung aus Mitleid und Ekel auslöst. Paul Hug läuft als Remigius in der Verhörszene zu großer Form auf. In dem Moment, in dem Remigius erkennt, dass er sein Leben nicht retten wird, bricht aus ihm sein lange angestauter Hass auf die reichen Kleriker heraus.

Aber mit den Morden in der Abtei hat er nichts zu tun. Nachdem Gui mit seinen Gefangenen abgezogen ist, gibt es einen weiteren Toten. Was verbirgt der Abt? Und, noch wichtiger, wo ist das Buch, das offenbar Grund für die Morde ist? Es kommt zum Showdown in der Bibliothek, wo von all den fleißigen, neugierigen Miniaturenmalern und Kopisten offenbar nur noch der alte blinde Jorge übrig geblieben ist. Martin Kühn zeichnet diese Figur als graue Eminenz der Abtei, unbeirrt und knorrig auf seiner Ablehnung des Lachens als Sünde beharrend.

Adsons kurze, tragisch endende Liebesgeschichte, und das tödliche Geheimnis der Bibliothek, dazu die politische Auseinandersetzung zwischen Papst und Kaiser, zusammen mit dem erbittert geführten Streit, ob Kirche arm sein sollte, all diese Fäden werden in dem Stück ineinander verwoben. Den Darstellern gelingt es, das ebenso lebendig zu machen wie die unterschiedlichen Charaktere, die das Stück bevölkern. Und die Regie sorgt dafür, dass trotz der Länge des wortlastigen Stückes keine Langeweile aufkommt. (Nike Luber)

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