Badische Neueste Nachrichten, 31. Oktober 2016

Mit Leidenschaft, Liebe und Erfolg

Seinen ersten Auftritt hatte er 1956 als Ministrant im Schiller-Klassiker Die Jungfrau von Orléans. Bei den Volksschauspielen Ötigheim (VSÖ), die in diesem Jahr ihren 110. Geburtstag feierten, ist am Freitagabend eine Ära zu Ende gegangen: Werner Sachsenmaier schied nach mehr als 25 Jahren als geschäftsführender Vorstand aus. Aber er geht uns nicht verloren. Er wird uns weiter unterstützen, sagte VSÖ-Vorsitzender Pfarrer Erich Penka bei der Abschiedsfeier vor rund 90 geladenen Gästen im Tellplatz-Casino. Ein Ensemble des VSÖ-Orchesters unter der Leitung von Matthias Hammerschmitt und die beiden Sänger Saskia Stößer und Julian Baumstark umrahmten die Feier musikalisch. Auch das Duo Marshall & Alexander war via Live-Überraschungsschaltung mit von der Partie. Die beiden sangen kurz vor Beginn ihres Konzertes in Magdeburg als Ständchen das Lied Prösterlein und erhoben damit musikalisch das Glas auf einen Mann, der jahrzehntelang im ehrenamtlichen Vollzeit-Einsatz war. Zunächst verabschiedete Penka Sachsenmaiers Ehefrau Elisabeth in den verdienten Ruhestand. Auch sie war seit ihrer Kindheit auf dem Tellplatz aktiv. Ihren Gatten würdigte der VSÖ-Vorsitzende nach 20-jähriger Zusammenarbeit als einen Fels in der Brandung, der die Volksschauspiele mit viel Herzblut und Erfahrung gut geführt und zuweilen auch mal gebremst hat, um sie in guter Weise vorwärtszubringen. Auch der zweite VSÖ-Vorsitzende, Bürgermeister Frank Kiefer, erwies dem erfahrenen Kapitän seine Reverenz und ließ ihn nicht mit leeren Händen von Bord des großen Schiffes VSÖ, das er mit seiner Mannschaft immer sicher durch zuweilen schwierige See manövriert hat. Kiefer würdigte vor allem Sachsenmaiers Verdienste für die Dorfgemeinschaft und die Vereine. Über Jahrzehnte hinweg habe er mit Liebe, Leidenschaft und Erfolg sein Amt ausgeübt und sich in die Gemeinschaft eingebracht. Diesen Einsatz würdigte auch die Josef-Saier-Stiftung. Deren Präsident, Landrat Jürgen Bäuerle, überreichte Sachsenmaier mit der Josef-Saier-Medaille in Gold eine Auszeichnung, die zuvor nur Camill Wurz (1983), Erwin Vetter (2008) und Emil Heid (2011) erhalten haben.

Der Geehrte, der seit 2008 als Beisitzer im Stiftungsvorstand tatkräftig mithilft, verstehe es Leute zu motivieren. Er könne zwischen dem Wünschenswerten und Machbaren unterscheiden, habe bei den Volksschauspielen den Fortschritt vorangetrieben und sei zugleich der Tradition treu geblieben, so Bäuerle. Für den Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) überreichte Wolfgang Schiffelholz die Ehrennadel des BDAT. Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Freilichtbühnen (VDF), Region Süd, lobte, dass sein Vorstandskollege die Freilichtbühne als Ausrichter von Vorstandssitzungen, Tagungen oder eines Jugendcamps angeboten, somit Freilichtbühnenmenschen aus ganz Deutschland nach Ötigheim geholt und ihnen die Vorzeigebühne gezeigt habe. Weitere Gruß- und Dankesworte sprachen Lars Sörös-Helfert, Schatzmeister im Landesverband Amateurtheater, Sachsenmaiers Nachfolger Maximilian Tüg, VSÖ-Fördervereinsvorsitzender Roland Fechner, der ehemalige VSÖ-Vorsitzende und Ehrenvorsitzende, Pfarrer Karl-Heinz Speckert, und Werner Sparka vom VSÖ-Technikteam. Werner Sachsenmaier wünschte seinem Nachfolger eine glückliche Hand, Nerven wie Drahtseile und loyale Mitarbeiter. Er betonte, dass seine Arbeit nur im Team möglich gewesen sei und gab den Gästen mit auf den Weg, die Volksschauspiele auch künftig als Verein mit lebendiger Spielergemeinschaft zu pflegen und zu erhalten. Sachsenmaier endete mit den Worten: Gedankt sei allen, die für uns gefochten. Und allen, die uns widerstanden, sei verziehn. Die stammten freilich nicht von ihm, sondern aus dem Schiller-Klassiker Die Jungfrau von Orléans. (Ralf Joachim Kraft)

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