Badische Neueste Nachrichten, 25. Juli 2016

Mit hohem künstlerischen Anspruch

Nachdem der Wettergott ein Einsehen hatte und dem Festlichen Konzert der Volksschauspiele Ötigheim eine laue Sommernacht bescherte, konnte das konzipierte Programm wie vorgesehen stattfinden. (Der Vorabend hatte noch unter einigen wetterbedingten Änderungen gelitten). Somit unterstrich die umliegende Natur das Thema Im Märchenreich bestens und selbst die Vögel des Waldes pfiffen mit den Musikern um die Wette. Besonders dankbar durfte man sein, wieder einmal Ausschnitte aus Albert Lortzings Oper Undine zu hören. Lortzing, noch vor wenigen Jahrzehnten einer der meistgespielten Komponisten auf deutschen Bühnen, ist heute weitgehend aus den Spielplänen verschwunden und wird allenfalls noch an kleineren Stadttheatern gepflegt. Die Ouvertüre und zwei Chöre machten Lust wieder einmal die ganze Oper zu hören.
Das Undinen-Thema behandelt auch Antonín Dvořáks Oper Rusalka, aus der man den Chor Blümelein weiß am Wegesrand hörte. Die Gewittermusik aus Rossinis La Cenerentola stellte dem erweiterten Orchester der Volksschauspiele und seinem Leiter Ulrich Wagner das beste Zeugnis aus. Auch der Zug der Zwerge aus Edvard Griegs Lyrischer Suite, op. 54 ist ein wunderschönes Konzertstück, das zudem vom Ballett der Volksschauspiele tänzerisch begleitet wurde.

Lisa Hähnel, als sympathische Sopranistin beim Ötigheimer Publikum beliebt, verzauberte mit der Arie der Nannetta aus Giuseppe Verdis Falstaff und mit der Arie der Gretel Wo bin ich, ist es Traum aus Humperdincks Hänsel und Gretel, ehe mit dem Abendsegen aus der gleichen Oper der erste Teil abgeschlossen wurde. Moderiert wurde der Abend wie gewohnt charmant und mit dezenter Ironie von Reinhard Danner.

Nette Anheizer für den zweiten Teil waren Prokofjews Ouvertüre zu der Oper Die Liebe zu den drei Orangen und Mozarts Schlafe mein Prinzchen, schlaf ein, dem Jay Alexander feine Töne verlieh. Danach durfte der Kinderchor der Volksschauspiele (Leitung: Maria Bagger) mit einem Medley aus den Disney-Filmen Die Schöne und das Biest sowie Arielle, die kleine Meerjungfrau brillieren. Das frische und engagierte Auftreten des Ensembles lässt für die Zukunft Großes erhoffen, eine Zukunft in die das Ballett der Volksschauspiele offensichtlich bereits eingetreten ist. Hier ist die Entwicklung überaus positiv, was mit Szenen aus Tschaikowskys Dornröschen nachdrücklich unterstrichen wurde. Den Choreografen Julia Krug und Andrei Golescu hierfür ein ganz besonderes Lob. Puccinis Nessun dorma, von Jay Alexander mehr als nur ordentlich gesungen, und World in Union, eine Bearbeitung des vierten Satzes der Planeten-Suite von Gustav Holst auf einen Text von Charlie Skarbek, rundeten das Programm ab.

Begleitet vom traditionellen Feuerwerk versammelten sich hier noch einmal alle Solisten und Chöre und bewiesen: Dies ist Volkstheater im allerbesten Sinne und mit hohem künstlerischen Anspruch. (Manfred Kraft)

zurück zum Pressespiegel