Badisches Tagblatt, 27. Juni 2017

Mischung aus Party und Feengewebe

Neue Wege für das Auge beschreiten die Volksschauspiele im August mit Shakespeares großem Werk über den Facettenreichtum der Liebe. Thomas Höhne inszeniert Ein Sommernachtstraum auf der Naturbühne in heutiger Optik. Die visuelle Umsetzung der Vorstellungen des Regisseurs liegt größtenteils in den Händen von Kostümbildnerin Ulrike Weßbecher.

Wir fixieren uns nicht punktgenau auf die aktuelle Mode; heutige Optik beschreibt eine erweiterte Zeitspanne der Gegenwart, erklärt die kunstinteressierte Ötigheimerin mit Hang zu historischer Musik. Ihre kreativen Ideen führt das vierköpfige hauptamtliche Team um Ulrike Heck-Petri, Chefin der VSÖ-Schneiderei, aus. Weßbecher kam vor 35 Jahren als Sängerin im Kinderchor zum Theaterverein. Im Jahr 2000 entwarf die Bildungswissenschaftlerin ihr erstes Kostümbild für die kleine Bühne unter der Regie von Matthias Götz. Er setzte Die kleine Hexe in der Talentschmiede in Szene, hatte Weßbecher als Aktrice verpflichtet. In frühen Vorgesprächen kristallisierte sich der Einfallsreichtum der Ötigheimerin heraus. Da Götz das Credo verfolgt, fähige hauseigene Kräfte zu fördern, ermutigte er Weßbecher, sich an dem Kinderstück auszuprobieren. Ihre originelle Schaffenskraft steckte Weßbecher danach in sechs weitere Produktionen im Zimmertheater. Sie hatte sehr viel Spaß dabei. Es wuchs der Traum, ein Kostümbild für den Tellplatz zu kreieren. Götz erfüllte diesen Traum 2015 mit der Großversion der „Kleinen Hexe“ auf der Naturbühne. Damit war ich rundum zufrieden, sagt Weßbecher.

Mit heftigem Herzklopfen und emotionaler Aufgewühltheit, gefolgt von Sprachlosigkeit reagierte sie im Herbst auf ein Telefonat, in welchem ihr der künstlerische Ausschuss das Kostümbild für das Shakespeare’sche Liebesgetümmel im Wald von Athen übertrug. Immerhin bin ich Amateurin, und der Hauptberufler Thomas Höhne ist die Arbeit mit Profis gewöhnt. Neben diesen Bedenken stand der Anreiz: Ein Stück für Erwachsene bietet deutlich mehr Interpretationsspielraum und ist daher sehr spannend in der Ausführung. Im ersten Arbeitsgespräch mit Höhne formten sich bereits Bilder in meinem Kopf. Mit den Figurinenzeichnungen begann Weßbecher im November. Anfang Januar traf sie sich mit Heck-Petri.

Für die gewünschte heutige Optik gab der Fundus der Freilichtbühne nicht viel her. Also gingen wir shoppen und peppten die gekauften Klamotten auf. Oberon, Titania und ihr Gefolge bilden eine Mischung aus Partygesellschaft und Feengewebe. Extrem fantasievoll geht es beim Handwerkerspiel über Pyramus und Thisbe zu. Utensilien aus Küche, Bad und den Berufen der Charaktere dienen als Elemente für Kleidungsstücke. Einen Wischmopp nutzt Blasebalgflicker Flaut als Perücke. Weber Zettel trägt eine Rüstung, geflochten aus Lederstreifen, ausgeschmückt mit silbernen Feinsieben und glänzenden Topfkratzern. Schreiner Schnocks Löwenmähne besteht aus dicken Holzspänen, die ich mir von Michael Lerner, dem Leiter unserer Technikabteilung, hobeln ließ. Hinter den Kulissen bleibt Ulrike Weßbecher in der Inszenierung übrigens nicht verborgen. Sie spielt die Amazonenkönigin Hippolyta. Eine kleine Rolle lässt sich gut kombinieren. (Manuela Behrendt)

zurück zum Pressespiegel