Badisches Tagblatt, 20. Oktober 2018

Fünf Millionen Euro werden nicht reichen

Dass Jürgen Bäuerle für die Josef-Saier-Stiftung (JSS) brennt, wurde einmal mehr in der Jahreshauptversammlung der Volksschauspiel-Gönner am Donnerstagabend im Tellplatz-Casino deutlich. Der Landrat bewarb sich erneut um die Präsidentschaft, die man ihm einstimmig gewährte.

Die Arbeit in der JSS mache ihm viel Spaß, wie er sagte. Außerdem herrsche eine klasse Zusammenarbeit im Vorstandsteam. Ein Hintertürchen hielt sich Bäuerle offen. Da er als Landrat Ende April in den Ruhestand tritt, wolle er zwar bis Oktober 2019 weiterhin als Präsident rührig sein, aber nicht die volle Zweijahresperiode des Vorsitzes ausschöpfen. Der neue Landrat oder die neue Landrätin sollte auch an der Spitze der JSS stehen, sagte Bäuerle und versprach, seinem Nachfolger im Chefsessel des Landkreises die Stiftungsarbeit schmackhaft zu machen.

In Abwesenheit stellte Ernst Kopp seinen Posten als stellvertretender Präsident zur Verfügung. Sein Amt übernimmt die Baden-Badener Oberbürgermeisterin Margret Mergen. In ihren Funktionen bestätigt wurden Sylvia Felder (stellvertretende Präsidentin), Ralph Ganz (Schatzmeister), Vera Kramer (Schriftführung und Öffentlichkeitsarbeit), die Beisitzer Walter Ditz, Waldemar Epple, Michael Heid, Nicolette Kressl, Pfarrer Erich Penka, Werner Sachsenmaier, Wolfgang Sieber und Maximilian Tüg sowie die Rechnungsprüfer Eberhard Schnelle und Matthias Weyrauch.

Bäuerle informierte, das Stiftungsjahr sei „richtig gut gelaufen“. Man habe drei Vorstandssitzungen absolviert, beim Premierenempfang im Juni Stiftungsmitglieder für 20-jähriges Engagement geehrt sowie im vergangenen Oktober einen festlichen Abend für die Gönner ausgerichtet. Mit derzeit 176 Mitgliedern habe man seit 2010 die Zahl der Unterstützer der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) nahezu verdoppelt. Ralph Ganz bezifferte den derzeitigen Kassenstand mit 46500 Euro, der sich aus Mitgliederbeiträgen und Spenden errechnet. Für die neue Beschallungsanlage der VSÖ stellt die Saier-Stiftung 25000 Euro zur Verfügung, insgesamt 3000 Euro fließen in die Jugendarbeit.

Pfarrer Erich Penka erinnerte an die Erfolgszahlen des Theatersommers. Da die Probenintensität über die Grenzen der Belastbarkeit der Aktiven hinausführte, sei laut des VSÖ-Vorsitzenden eine neue Taktung der Probengestaltung im Gespräch, um die Last derer, die an mehreren Produktionen teilnehmen, zu verkleinern. Vergrößern wolle man die Investitionen für eine umfangreiche Sanierung des Freilichtbühnenareals. Fünf Millionen Euro werden nicht reichen, und diese Summe können wir allein nicht tragen, erklärte Penka. Um Förderung wolle man daher die JSS, die Kommune, den Landkreis sowie das Land bitten. 50 Jahre lang waren wir bescheiden; nun ist es an der Zeit, die VSÖ zukunftsfähig auszustatten, sagte Penka. Das 1961 erbaute Dach des Zuschauerraums bedürfe einer Rundumerneuerung, ebenso der Mittelbau mit der großen Freitreppe. Bei Letzterer sei nur Flickarbeit geleistet worden, die nun ihren Tribut zolle.

Die Josef-Saier-Medaille für außergewöhnliches Engagement bei den Volksschauspielen in Ötigheim wird beim Kameradschaftsabend der VSÖ im November an Hannes Beckert und Gustav Schäfer vergeben. Beckert kam 1964 zu den Volksschauspielen. In über 100 Rollen glänzte er im Freilichttheater und auf der Kleinen Bühne, führte Regie bei Ben Hur (2001), Wilhelm Tell (2006) und  Lumpazivagabundus (2012). In der Kaderschmiede liefen unter seinen Anweisungen Andorra; außerdem Der kleine Kolumbus, Hotel zu den zwei Welten, Die Hammelkomödie und jüngst Otello darf nicht platzen. Beckert gilt als erfolgreiches Urgestein der VSÖ. Schäfer gehört seit 1981 als tragende Säule zur Reiterabteilung des Amateurtheaters. Im genannten Jahr lenkte er als Double von Masalla, dem Gegenspieler von Ben Hur, beim Wagenrennen im Streitwagen die Pferde. Neben solchen Auftritten mit Kutschen und anderen Gefährten ist Schäfer für das Rekrutieren der tierischen Darsteller verantwortlich, namentlich Ziegen, Schafe und Esel.

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