Badisches Tagblatt, 29. Oktober 2016

Die Schauspielerei bleibt sein liebstes Hobby

Falls es so etwas wie eine klassische Laufbahn bei den Volksschauspielen (VSÖ) gibt, dann hat Maximilian Tüg sie bisher beschritten: Schon mit zwei Jahren war er als Teil des Volks auf dem Tellplatz dabei – und ab November übernimmt er einen Posten abseits der Bühne: Er wird geschäftsführender Vorstand des Volksschauspiel-Vereins.

Überraschend kommt dies für den 29-Jährigen nicht, hat er sich doch seit drei Jahren darauf vorbereitet, Werner Sachsenmaier, der das Amt 25 Jahre inne hatte, zu beerben. Alle fünf Vorstandsausschüsse durchlief Tüg in dieser Zeit: So habe ich mir einen Überblick über deren Arbeit verschaffen können. Ich bin mir aber auch sicher, dass ich in drei Jahren sicher nicht alle Facetten dieses Amts erfassen konnte. Es bleibt also spannend, meint Tüg und lacht so donnernd, wie nur einer lachen kann, der das manchmal auch vor großem Publikum tut. Beim Mitwirken im Volk blieb es für Tüg nämlich nicht. Als Jugendlicher schritt er als Soldat über Deutschlands größte Freilichtbühne, bereits mit 15 Jahren übernahm er erste kleinere Rollen, und heute kennen ihn die Besucher der Volksschauspiele unter anderem als Quasimodo (Der Glöckner von Notre Dame), schönen Sigismund (Das weiße Rössl) oder Pilatus (Jesus Christ Superstar). In den Wintermonaten ist Tüg auf der kleinen Bühne aktiv. Er lieh beispielsweise in der Vergangenheit der fleischfressenden Pflanze im Kleinen Horrorladen seine Stimme. Ist damit jetzt Schluss – immerhin wird sein neues Amt ja viel Zeit in Anspruch nehmen? Der gebürtige Ötigheimer widerspricht vehement: Auf gar keinen Fall. Die Schauspielerei ist mein liebstes Hobby.

Die Arbeit der Verwaltung der Volksschauspiele hat Tüg von der Pike auf kennengelernt: Seit 2002 gehört er dieser an – erst als Mitglied des Jugendbeirats, dann als dessen Vorsitzender. Er weiß also, was auf ihn zukommt: Das wird eine Sache, mit der man sich jeden Tag beschäftigen muss – nach der eigentlichen Arbeit. Seine eigentliche Arbeit verrichtet der gelernte Finanzwirt und studierte Betriebswirt Tüg in einem Steuerberatungsbüro in Haueneberstein. Die Prüfung zum Steuerberater hat er gerade abgelegt: Hoffentlich mit Erfolg. Das Ergebnis ist noch nicht da. Ambitionen, die Schauspielerei zu seinem Beruf zu machen, hatte er durchaus – früher einmal. Doch bereits kurz nach dem Abitur am Rastatter Tulla-Gymnasium sei ihm klar geworden, dass dies für ihn nicht infrage kommt: So habe ich ein festes Einkommen. Ich kann die Schauspielerei ohne Druck betreiben und muss nichts tun, wozu ich keine Lust habe. Das ist sehr entspannend.

Auf die neue Aufgabe freue er sich riesig, vor allem wegen der Vielschichtigkeit. Die Volksschauspiele seien einerseits wie ein Unternehmen zu führen, da komme ihm sicher sein BWL-Wissen zugute, andererseits sei der Theaterverein naturgemäß künstlerisch ausgerichtet, man habe mit Jugendarbeit zu tun, müsse aber auch Personalverantwortung übernehmen. Als geschäftsführender Vorstand wird Tüg automatisch zum disziplinarischen Vorgesetzten der rund zwölf hauptamtlichen Angestellten, die die VSÖ haben.

Die Fußstapfen, in die der Neue tritt, sind groß: Werner Sachsenmaier war nicht nur 25 Jahre lang in diesem Amt, er bekleidete es auch als erster überhaupt. Dessen bin ich mir bewusst, sagt Tüg. Und ich bin umso glücklicher, dass Werner Sachsenmaier signalisiert hat, dass er mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Immerhin ist in dem Job oft das Bauchgefühl gefragt. Und das trügt einen, der 25 Jahre Vorstand war, weniger als einen, der gerade erst damit angefangen hat.

Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger muss Tüg fortan Vorstandschaft und Job miteinander in Einklang bringen. Keine leichte Aufgabe, aber eine, die zu bewältigen ist, wie er glaubt. Wir haben ein tolles Team – im Büro und auf dem Platz. Sicher würden sich unter seiner Vorstandschaft die Kommunikationswege ein wenig umstellen – aber das ist heutzutage ja kein Problem mehr.

Wird der geschäftsführende Vorstand denn auch im kommenden Jahr auf der Bühne zu erleben sein? Ganz sicher, so Tüg mit dem Brustton der Überzeugung. Nur in welcher Rolle, das stehe noch nicht fest. Irgendwie kriege ich das schon alles unter einen Hut.

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