Pforzheimer Zeitung, 23. August 2014

Marc Marshall und Jay Alexander rocken die Freilichtbühne Ötigheim

Die Stimme von Dieter-Thomas Heck ist kein bisschen gealtert. Der Mann, der die Hitparade 189-mal moderiert hat, schmettert sein Guten Abend! ins Mikrofon wie weiland im ZDF. Nein, heute sage ich nicht Berlin, ruft der 76-Jährige in Publikum. Heute sage ich Ötigheim. Guten Abend, Ötigheim! Die Zuhörer jubeln und Heck kündigt drei alte Weggefährten aus den 1970er-Jahren an. Als dann Chris Roberts von den Armen seiner Barbara singt, Bata Illic von Michaela und Marc Marshalls Vater Tony Marshall von der schönen Maid, ist das Publikum völlig aus dem Häuschen.

Deutsche Evergreens heißt das neue Programm von Marc Marshall und Jay Alexander und es ist eine Hommage an den Schlager. Angefangen vom Gassenhauer Wir machen Musik aus dem Jahr 1942 über ein 50er-Jahre-Medley mit Liedern über die damalige Reisewelle nach Italien bis hin zu Und es war Sommer von Peter Maffay oder Nino de Angelos Jenseits von Eden – das Duo führt in die Welt der deutschsprachigen Hits. Folgerichtig, dass sie dazu Dieter-Thomas Heck eingeladen haben, den Mann, der sich zeitlebens für deutsche Künstler und die deutsche Sprache in der Musik eingesetzt hat.

Reiner, fahr ab!, ruft Heck denn auch ins Publikum. Früher, zu Hitparadenzeiten, hat Heck nach dieser Ansage zu leise eingespielter Playbackmusik in wahnwitzigem Schnellsprech die Mitwirkenden der Sendung heruntergebetet. In Ötigheim lässt er mit dem legendären Satz die Altstars auftreten – und Roberts, Illic und Tony Marshall singen ein Medley ihrer größten Ohrwürmer. Das Publikum hält nichts mehr auf den Sitzen, stehend wird gesungen, geschunkelt und gelacht.

Marshall und Alexander haben es an diesem Abend schwer, gegen die geballte Temperaments-Offensive der drei Oldies anzukommen. Marc Marshalls Solo-Interpretation von Hildegard Knefs Für mich soll’s rote Rosen regnen gibt eine Ahnung von Sangeskunst und möglicher Bühnenpräsenz des Baritons. Sein sonst so galantes Auftreten, seinen Charme und Wortwitz lässt der begnadete Entertainer ein bisschen vermissen. Schade. Und auch Jay Alexander tritt gerne in den Hintergrund, wenn die stimmgewaltigen und superpräsenten Altstars ihre Songs trällern.

Immerhin, so mag man sagen, gehörte die erste Stunde vor der Pause den beiden Gastgebern allein. Roberts, Marshall senior und Ilic mögen die Freilichtbühne rocken und für Partylaune sorgen. Wenn Marshall & Alexander aber ihre Evergreens mal feinsinnig, mal mit großem Tamtam inszenieren und Marshalls Bariton klangvoll auf Alexanders Tenor trifft – dann werden große Emotionen geweckt. Und genau darauf kommt es doch an.  (Carola Pigisch)

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