Pforzheimer Zeitung, 27. August 2015

Marshall & Alexander begeistern in Ötigheim

Was Marc Marshall und Jay Alexander vermutlich nicht an der Karlsruher Musikhochschule gelernt haben und trotzdem perfekt beherrschen, ist der charmante Umgang mit den Zuschauern. Humorvoll plaudern die Sänger aus dem Nähkästchen ihres Künstlerlebens, wobei sie die amüsanten Anekdoten geschickt in Bezug zu den nächsten Liedern setzen.

Marc Marshall flirtet am Premierenabend munter mit den Zuschauerinnen, schnappt sich hier einen roten Pumps zur Illustration seines Songs High Heels und dreht dort ein paar Tanzrunden mit einer Dame aus der ersten Reihe. Jay Alexander bringt seine Opernstimme zur Geltung – besonders in seinem Solo Luna. Seit einer Produktion der Mozart-Oper Die Zauberflöte im Jahr 2000 stehen der Tenor und der Bariton jeden Sommer zusammen auf der Freilichtbühne Ötigheim, immer mit einem abwechslungsreichen Programm. Aus all diesen vergangenen Konzerten haben Marshall und Alexander in diesem Jahr ein Zugabenprogramm destilliert, in dem von Schmuseballaden bis zu Metal ein breites musikalisches Panorama entfaltet wird. Musikalisch mitreißend und herrlich selbstironisch geben die Sänger und ihre bestens aufgelegte Band das Metal-Medley, zu Smoke on the water und Born to be wild tobt das Premieren-Publikum. Marshall und Alexander beziehen die Zuschauer gekonnt ein. Den seit vielen Jahren republikweit bekannten Hit Über sieben Brücken musst du gehen der ostdeutschen Gruppe Karat singen die fast 4000 Besucher des Premierenabends begeistert mit, genauso wie die Melodie des Refrains von La stella più grande. Auch die sich prächtig entwickelnden Solokarrieren der Sänger sind in das Jubiläumskonzert eingeflossen. Marc Marshall verleiht einem Song wie High Heels ordentlich Power, und Jay Alexander verhilft vermeintlich altmodischen Kirchenliedern zu einem neuen, liedhaften Klang. Begleitet von zwei Gitarristen und dem Pianisten singt er Von guten Mächten wunderbar geborgen – und macht daraus einen wahren Gänsehautmoment.

Zum fulminanten Finale wird flugs ein Bühnenbild gezaubert, das den Hauch einer italienischen Sommernacht nach Ötigheim holt. Die Zugabe widmen Marshall und Alexander dem unvergessenen Udo Jürgens. Und immer wieder geht die Sonne auf singen sie mit Hingabe als Hymne an das Leben. (Nike Luber)

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