Badisches Tagblatt, 29. März 2018

Volksschauspiele stellen sich Mammutaufgabe

Seit November 2016 probt Ulrich Wagner, musikalischer Leiter der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ), mit den hauseigenen Amateursängern für die Operette Der Vogelhändler von Carl Zeller. Das Spiel um Liebe, Eifersucht, Techtelmechtel und Mauscheleien steht im Sommer unter der Regie von Manfred Straube auf dem Spielplan der Freilichtbühne. Mit dabei sind der Große Chor (138 Stimmen) sowie der Junge Chor (32 Mitglieder).

Zeitgleich nahmen Stefan Kistner, Leiter des Männergesangvereins 1863 Ötigheim, sowie Annedore Hacker, Dirigentin des Frauenensembles Belle Amie, mit ihren Gesangsgruppen die Arbeit an den Chorsätzen auf, denn 20 Sänger des MGV und 23 Damen von Belle Amie unterstützen die VSÖ-Vokalisten“, erklärt Wagner. Dazu kommen 13 Mitglieder des Extrachors am Badischen Staatstheater. Die immense Arbeit mit insgesamt 213 ehrenamtlich tätigen Choristen ist sicherlich die umfangreichste in der Geschichte der Volksschauspiele, erläutert Pressesprecherin Sabine Kemper die Mammutaufgabe, die sich die VSÖ mit der Operette stellen.

Wagner sagt dazu: Mit Stefan Kistner und Annedore Hacker bin ich im engen Kontakt und schätze beide sehr. Den vereinten Chören kommt der Auftrag zu, im Verlauf des Stücks drei Gruppen darzustellen: die Bevölkerung des Dorfs, in dem die Handlung spielt; die Gruppe der Tiroler Vogelhändler, die mit Adam in den Ort kommt, sowie die Hofgesellschaft im kurfürstlichen Schloss. In einem ausgeklügelten Konzept legten Straube und Wagner bereits vor eineinhalb Jahren fest, wer wann in welchem Kostüm auf der Bühne steht, erklärt der musikalische Leiter.

Den Mitgliedern des Jungen Chors kommen zwei Rollen (Tiroler und Hofgesellschaft) zu, ebenso verwandeln sich 35 Sänger aus den Reihen des Großen Chors einmal in die Hofgesellschaft, dann wieder in Dorfbewohner. Die restliche Mischung aus Großem Chor, MGV, Belle Amie und Extrachor steht ausschließlich als Dorfbevölkerung im Rampenlicht. Diese umfangreiche Chorpartie stellt auch Profibühnen vor eine echte Herausforderung, resümiert Wagner. Hatte er jemals Bedenken, dass die Amateurchöre die anspruchsvollen Gesangspassagen nicht packen könnten? Anfangs ja, gibt Wagner unumwunden zu. Aber die Chöre waren schon in den ersten Proben so engagiert und hochmotiviert, dass ich sicher war, dass es klappen würde, ergänzt er. Zählt man die Gäste des Extrachors mit, steht Vollprofi Ulrich Wagner in seinem Schaffen für die Operette vor 226 Sängern. Vergangene Woche fand im Gemeindehaus Alte Schule die erste Gesamtprobe der Vokalisten statt. Am Dienstag gewährte der Mammutchor Einblick in sein aktuelles Pensum, und bei Ulrich Wagner lagen ein bisschen die Nerven blank. Imposant gestaltete sich die Optik im Probenraum der Alten Schule, denn dieser platzte ob der großen Sängerdichte fast aus allen Nähten. Neben dem Chor war das gesamte Solistenensemble versammelt. Wenn in diesem engen Umfeld Wie mein Ahn’l 20 Jahr erklingt, ist Gänsehaut unabwendbar. Aber Wagner setzt noch einen drauf und empfiehlt schon heute den Höhepunkt der Operette: Schenkt man sich Rosen in Tirol im siebenstimmigen Chorsatz!

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