Badische Neueste Nachrichten, 25. März 2019

Mäuse erobern den Tellplatz

Vor nichts hat eine Katze mehr Angst als vor Wasser und Feuer. Doch auf Kater Kasimir warten nicht weniger als sechs Wasserfontänen und ein Feuerschwert als Mutproben. Kater Kasimir ist die Hauptfigur in dem Märchen Der gestiefelte Kater, das Torsten Krug, Regisseur aus Wuppertal, in diesem Jahr für die Volksschauspiele Ötigheim als Kinderstück inszeniert.

Er führt das erste Mal auf der Freilichtbühne Regie, wurde von Sebastian Kreutz, der Mitglied im künstlerischen Ausschuss ist, angesprochen, ob er sich diese Regiearbeit vorstellen könne. Ich habe noch nie ein Märchen inszeniert, lacht Torsten Krug, der in Tübingen studiert und in Rostock und Chemnitz gearbeitet hat. Kinder- und Jugendstücke hat er einige gemacht, an Der gestiefelte Kater hat ihn das Sujet Märchen gereizt, in dem allgemeingültige menschliche Fragen behandelt werden.

Hier ist es das Thema Freundschaft, sagt er mit Blick auf das merkwürdige Erbe, das der Müller seinem jüngsten Sohn als einzige Hinterlassenschaft vermacht. Ein Kater der sprechen kann, der Freund ist, und ganz schnell ist der Zuschauer in dieser Märchenwelt drin. Das hofft er auch mit den Zuschauern zu machen, dass er diese ganz schnell in diese märchenhafte Welt sprechender, kluger und menschlicher Tiere mit seiner Inszenierung hineinziehen kann. Ihren Teil trägt sicher die Musik bei, die eigens von Maria und Bernard Bagger komponiert wurde. Wir werden eine siebenköpfige Band haben, die in der Art von Straßenmusikern auf der Bühne musizieren und als Erzähler den Prolog sprechen. Und gesungen wird auch viel. Einen weiteren Beitrag leisten die rund 160 Darsteller, von denen der jüngste vier Jahre ist.

Denn alle Kinder- und Jugendgruppen, die bei den Volksschauspielen im Ballett oder im Chor aktiv sind, sind für die Produktion eingesetzt. Da tummeln sich beispielsweise 56 kleine Mäuse, die sich leise pfeifend um den allmächtigen Zauberer Manipulu scharen oder 36 Katzen. Vom Mäuse-Ballett ist er begeistert: Toll, wie gut Julia die Kinder im Griff hat, wie sie fast geräuschlos jede Anweisung umsetzen. Auch wie harmonisch die Zusammenarbeit mit den Darstellern und dem Team hinter der Bühne klappt. Acht Wochen Probe sind angesetzt, derzeit lebt der Regisseur für vier Wochen in Ötigheim und probt täglich.

Die Choreografie hat er auf die weite Bühne so zugeschnitten, dass die Blicke des Publikums immer dahin gelenkt werden, wo gerade etwas Wichtiges passiert. Die Kunst ist, die Größe auszunutzen und die Blicke von da abzulenken, wohin die Leute jetzt nicht gerade hinschauen sollen, lacht Torsten Krug. Noch ist das Gebirge, in dem der Zauberer einmal sein Reich haben wird, nicht ganz fertig, deshalb zieht dieser mit seiner Mäuseschar von unterhalb los. Ein weiter mausgrauer Mantel, den einige der Kinder halten, ein großer Zauberstab sind die Insignien seiner Macht. Die Bilder sind klar in der Aussage, bieten Abwechslung fürs Auge. Torsten Krug greift auf die dramaturgische Fassung von Herbert Broeren zurück, der das Märchen in der Spielzeit 1995 für die Bühne bearbeitet hat. Das ist aber der einzige Rückgriff. Gerade mit der eigens komponierten Musik wird das Stück modern, Spezialeffekte sorgen dafür, dass auch heutige Ansprüche nicht enttäuscht werden. Wenn zum Beispiel Kater Kasimir in der Fast-Schluss-Szene vom Zauberer als Beweis seiner Zauberkraft fordert, sich selbst in eine kleine Maus zu verwandeln. Und das bei offener Bühne. Wie das geschieht, ist eine der vielen Überraschungen, die die Premiere für kleine und große Zuschauer bereithält. (Martina Holbein)

zurück zum Pressespiegel