Badisches Tagblatt, 10. Juni 2017

Luther zum Klingen bringen

Keine Inszenierung auf der Freilichtbühne kommt ohne Musik aus. Das gilt auch für Luther (Premiere am 17. Juni), das Theaterstück zum Reformationsjubiläum, für das die Volksschauspiele sogar eine eigene Komposition in Auftrag gegeben haben: Musik, die sich stilistisch am 16. Jahrhundert orientieren sollte, also etwa in der Lutherzeit und den darauffolgenden Jahren. Ein aufwendiges Unterfangen, das es in dieser konsequenten Form in Ötigheim wahrscheinlich noch nicht gegeben hat, wie die Leitung der Volksschauspiele berichtet. Komponist der Bühnenmusik ist Hans Peter Reutter, Professor für Musiktheorie an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Er ist in Ötigheim kein Unbekannter, stammte doch auch die Musik für Les Misérables aus seiner Feder.

Doch die Musik für ,Luther? ist völlig anders, berichtet der musikalische Leiter der Volksschauspiele, Ulrich Wagner. Zu Victor Hugos Revolutionsdrama passte natürlich ein satter spätromantisch-symphonischer Sound. Dagegen ist die Luther-Musik mit sechs Bläsern und zwei Schlagzeugern besetzt, die in einer Szene sogar in Kostümen auf der Bühne agieren. Es wird live gespielt, betont Dirigent Wagner und verspricht einen musikalischen Bilderbogen der Luther-Zeit und Chorkompositionen. Natürlich erwartet das Publikum, dass wir dabei echte Luther-Choräle einbinden, sagt er – und: Ohne ,Ein feste Burg‘ kommt natürlich kein Luther-Stück aus. Komponist Reutter hat aber auch einige volksliedhafte Stücke eingebaut. Zum Beispiel Bauern-, Studenten- und Landsknechtslieder im Stil der Lutherzeit. Und die sollen laut Ulrich Wagner auch so klingen, als ob das Volk auf der Straße singt. Ein Beitrag sei das, damit sich das Publikum so richtig in die Atmosphäre des 16. Jahrhunderts einfühlen kann. (sl)

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