Badische Neueste Nachrichten, 25. August 2016

Liebe unter freiem Himmel

in regelrechtes Liebeslieder-Open- Air-Festival boten Marc Marshall und Jay Alexander ihren Fans aus ganz Deutschland beim Auftakt ihrer drei Konzertabende in Ötigheim. Dass die größte Freilichtbühne Deutschlands bereits seit vielen Jahren eng mit dem eingespielten Duo verbunden ist, weiß jeder. Mit dabei haben sie zehn erstklassige Musiker unter der Leitung von Frank Lauber, die wissen, wie man das Publikum begeistert. Doch zunächst gilt es, sich aufzuwärmen und mit viel Energie während des knapp dreistündigen Konzertes Brücken zu bauen (Bridges Over Water). Zur Freude des Publikums wird, wie gewohnt, an selbstironisch-humorvollen Pointen nicht gespart: Jay zeigt sich im edlen, saugfähig-leichten Gardinenstoff von Yves Saint Laurent gewohnt klassisch elegant, während Marc in kurzen karierten Hosen zu Weste und Fliege Extravaganz in den Fokus stellt, denn seine Mutter wusste schon immer: Du hast schöne Beine und so zeigt er sie. Aber vor allem, da ist sich Marc sicher, kommen die Leute an diesem Abend wegen seinem neuen prächtigen Vollbart.

Jeder Geschmack wird von Herzen bedient, denn in ihrem Programm haben sie alles aufgefahren, was das Thema Liebe in der Musik zu bieten hat: Ein sehnsuchtsvolles „Wo auch immer du bist“, ein leidenschaftlich-brennendes L’Amour oder auch das melancholische Solo Tu, während tausend kleine Sterne die Kulisse der Freilichtbühne verzaubern und mit Knicklichtern im voll besetzten Haus um die Wette funkeln. Mit ihrem Internationalen Medley dagegen zeigen sie die exotischen und einfühlsamen Seiten der Liebe in einem gelungenen Querschnitt. Sie machen dafür musikalische Ausflüge nach Frankreich (La Vie en Rose), Amerika (Love Me Tender), Mexiko (Bésame Mucho) und Italien (Ti Amo) – und das Publikum feiert sie dafür. Kleine Texthänger können dabei schon mal charmant überspielt werden. Am Ende landet man ohnehin in Österreich (Woisd a Herz hast wiar a Bergwerk) und stellt fest, bei einer Stimme wie der von Bariton Marc Marshall, kann sogar diese Sprache mitreißen. Doch auch Jay Alexander weiß, mit Anekdoten und seiner Tenorstimme, begleitet von Querflöte und Mandoline, zu entzücken. Bereits mit 15 sang er mit zärtlichem Schmelz in der Stimme Frühling in Sorrent im heimischen Wohnzimmer für seine Mutter.

Marc und Jay lassen schwungvoll die Hüften kreisen und die Damenwelt reserviert gerne den letzten Tanz für sie (Save The Last Dance). Doch wer glaubt, der Höhepunkt des Abends sei bereits gekommen, erlebt die Krönung erst jetzt: Bei ihrem Schlager-Medley geben sie ihr letztes Hemd, die Hose – einfach alles! Denn wenn Jay Alexander die üppige Mähne schüttelnd als Heino Die schwarze Barbara kurzerhand blondiert und Marc Marshall im viel zu engen Partykleid als Andrea Berg Liebe pur versprüht und dabei viel Haut zeigt, bleibt kein Auge trocken. Es werden Weiße Rosen aus Athen verteilt, es wird zu Herzilein geschunkelt und spätestens bei Marmor, Stein und Eisen bricht singt auch der letzte im Publikum aus voller Kehle mit. Und wer nach rockigen Partyhits wie You’re The One That I Want, Wild Thing und Lady Marmelade noch nicht genug hat, kann laut Marc Marshall gerne sitzen bleiben, denn im nächsten Jahr feiert das Duo sein 20-jähriges Jubiläum auf der Freilichtbühne. (Elisa Walker)

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