Badisches Tagblatt, 27. März 2017

Liebe, Lust und Leidenschaft

Der Titel der zwei Frauen war Programm: Taschenalarm. Barbara Mauch (Gesang) und Petra Schatz am Klavier lüfteten auf der ausverkauften kleinen Bühne der Volksschauspiele letzte Geheimnisse des vor allem Frauen glücklich machenden Accessoires: Taschen.

Mit der Feststellung Frau braucht sie, frau will sie, frau hat sie geriet ein vergnügliches Musikspektakel zur Mini-Show. In ihrer spottlüsternen Musik-Comedy erklärten sie die Symbiose zwischen den Mini-kleinen, mit Pailletten bestickten, den praktischen Kunstledernen in gedecktem Braun, den Auffälligen mit den neidisch machenden Labels, den nach Füllung schreienden Großraumbeuteln und ihren Trägerinnen. Hast Du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für Dich, von 99 Accessoires in meiner Tasche, kennst du das? Und weiter: Wie viel Zeit verbringt eine Frau beim Suchen in der Handtasche? Nein, sie sucht nicht, eine Frau sortiert.

Mauch und Schatz verrieten in ihrem Programm Taschenalarm, welche Tasche zu welchem Frauentyp passt, was unbedingt rein muss und was gar nicht geht in der Welt der Taschen. Aber auch Plastik-Gucks, auf den Sitzplätzen der Zuschauer ausgelegt, fanden eine Wertung und als musikunterstützende Instrumente Verwendung. Ganz am Rande, aber als Behältnisse dazu passend, schwärmte Mauch ebenso von Tupper und vom nahezu unentbehrlichen Thermomix, auch weibliche Leidenschaften. Dabei wurde sie von Schatz, die ihrerseits die Ticks ihrer Partnerin treffend musikalisch kommentierte, unterstützt. Mit spottlüsternem Augenzwinkern und durch das Publikum gesanglich verstärkt, thematisierten die beiden Frauen die Versuchungen im schwedischen Möbelhaus und die letztendliche Freude beim Auffinden des problemlösenden Inbusschlüssels. Dem könnten die richtigen Männer nur ihre Liebe zu dem vor der Haustür stehenden Technik-Wunder entgegensetzen: Er liebt seine Frau und die Kinder, doch sein Auto liebt er noch mehr. Und weiter: Ganz tief im Wald, da wo sonst keiner ist, da hat er schon mal die Felgen seines Autos geküsst.

Die Sopranistin und Allrounderin Mauch hatte auch dafür Verständnis und trat dafür resignierend den Beweis an: Mer isch halt, wie mer halt isch. Ohne Rücksicht auf Verluste surften die Musikerinnen durch die jüngere Musikgeschichte, sei es im Hildegard-Knef-Duktus Ich hab noch einen Koffer bei Nadine, dem von Peter Alexander bekannten Poco poco pocola?ich weiß, was mir fehlt, auf Jürgen Marcus gemünzt (Eine neue Tasche ist wie ein neues Leben), bis hin zu ABBA (Mamma mia, kann das normal sein?). Die Sängerin und die Pianistin drückten den verballhornten Titeln, die allen Zuschauern aus legendären Hit-Paraden bekannt waren, in ihrer ungewöhnlichen Songgestaltung ihren eigenen charakteristischen Stempel auf. Und sie schafften es sogar, kompromisslos den Bogen von den fünf Feng-Shui-Elementen Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz zu taschentypischen Besonderheiten und Charaktereigenschaften ihrer Trägerinnen zu finden.

Mauch und Schatz mischten in ihrem Programm Evergreens und Schlager-Hits auf, würzten sie mit Humor und verpassten ihrem Musik-Comedy-Programm mit einigem Wortwitz ein leckeres Sahnehäubchen. Und immer blitzten bei ihnen der Schalk und der Spaß an Nonsens-Texten durch. Dabei wurden von den beiden sowohl Kultiges als auch längst abgelegt Geglaubtes mit süffisantem Lachen gnadenlos auf die Schippe genommen.

Stimmlich und auch instrumental können sich Mauch und Schatz das durchaus erlauben. Die zahlreichen Arrangements ließen kaum Wünsche offen. Und als sich die Musikerinnen zum Schluss, frei nach Drafi Deutscher, mit Weine nicht, wenn der Vorhang fällt vom Publikum verabschiedeten, dürften es sich bei diesem vereinzelten Blitzen wohl eher um Lachtränen gehandelt haben.

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