Badisches Tagblatt, 23. Dezember 2014

Leidenschaft und lockere Mitmenschlichkeit

Liebe zur Musik und Begabung vermögen erstrangige Leistungen hervorzubringen, wie die Orchesterjugend der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) beim Vorspielnachmittag am Sonntag bewies. Im Rahmen des beachtenswerten Konzerts im Gemeindehaus Alte Schule in Ötigheim übergab Alfons Rieger, langjähriger Dirigent des Jugendorchesters und Instrumentalausbilder, den Taktstock an Tanja Maria Wagner.

Pfarrer Erich Penka, Vorsitzender der Volksschauspiele, lobte: Die Volksschauspiele haben Alfons Rieger viel zu verdanken; er steht für musikalische Qualität auf dem Tellplatz. Bürgermeister Frank Kiefer blickte auf Riegers Lebensweg, nannte den 82-Jährigen einen Glücksfall für die Volksschauspiele. Riegers Engagement zugunsten der Musik und der Volksschauspiele sei herausragend und beispielhaft. Ein ehemaliger Schüler Riegers unterstrich dessen persönlichen Draht zu den Schülern. Rieger gebe sein Herzblut für Musik, vermittle seine Leidenschaft im lockeren menschlichen Miteinander.

Bürgermeister Kiefer war zuversichtlich, dass der Taktstock auch bei Tanja Maria Wagner in guten Händen liege. Für Wagner sei es nach eigenem Bekunden eine Ehre, das hervorragende Orchester zu übernehmen. Sich selbst wünschte die Ensembleleiterin, eines Tages ebenfalls die Größe zu haben, aus freien Stücken Jüngeren Platz zu machen.

Als die Jugend aufspielte, gereichte das Konzert zum Dank an Alfons. Riegers Schüler Emilie und Joshua Dill (zehn und elf Jahre) eröffneten den vielversprechenden Solistenreigen. Einem freudigen französischen Tanz (Rigaudon) folgte der Marsch aus der Bauernkantate von Johann Sebastian Bach. Franziska Mangel erlernt bei Riegers Tochter Karoline das Geigenspiel. Für Luigi Boccherinis bekanntes Menuett, das Ulrich Wagner, Musikalischer Leiter der Volksschauspiele, am Klavier begleitete, erntete das elfeinhalbjährige Mädchen verdienten, großen Applaus. Johanna Pehlivan ist Mitglied im großen Orchester. Ihr kunstfertiger, müheloser Strich (Bourrée von Bach) vermittelte das hohe Niveau des Tellplatzensembles. Solistischer Höhepunkt war das Konzert für zwei Violinen (Gloria Möck, Karoline Rieger) und Klavier (Ulrich Wagner) in d-Moll von Antonio Vivaldi. Für das exquisite Spiel von Schülerin und Ausbilderin gab es Bravorufe. Mit der Kindersinfonie von Leopold Mozart, dem Lieblingsstück von Alfons Rieger, traten Tanja Maria Wagner und das Jugendorchester, verstärkt durch einige erwachsene, ehemalige Eleven Riegers, vor die Zuhörer. Die Pastorale (Largo) aus dem Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli verdeutlichte die gefühlsbetonte Spielweise der jungen Musiker. Jan van der Goot ist ein niederländischer Komponist und Arrangeur. Sein weihnachtliches Potpourri Happy White Christmas machte im beschwingten Rhythmus viel Laune auf das nahende Christfest, wartete auf mit Bing Crosbys Traum von weißer Weihnacht, dem rotnasigen Rentier Rudolph, Frosty the Snowman und John Lennons The War is Over.

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