Badische Neueste Nachrichten, 7. April 2014

Talentschmiede wird zum kulturellen Faktor

So mancher Leistungsträger der Freilichtbühne hat auf der kleinen bühne sein Handwerk gelernt: Seit nunmehr 50 Jahren besteht die kleine bühne als Einrichtung und Schulung für das Volksschauspiel.

Hier wird der Theaterbetrieb von der Pike auf gelernt – sprich Sprechen, Tanzen, Musizieren, Agieren der Schauspieler, Schulung des organisatorischen und technischen Nachwuchses.

Hier kann man unterschiedliche Seiten seiner Persönlichkeit ausprobieren, betonte Pfarrer Erich Penka, vorsitzender der Volksschauspiele, anlässlich er Jubiläums-Soiree der kleinen bühne. Rund 300 geladene Gäste kamen am Freitagabend in die Mehrzweckhalle um dies zu feiern. Darüber hinaus führte das Theater de Jubiläumsproduktion Die Hammelkomödie, ein Schauspiel von Gert Hofmann als Hommage an Gründer Willi Panter, au. Die Volksschauspiele mit der kleinen bühne sind ein Teil der Gemeinde sprach Bürgermeister Frank Kiefer in seinen Grußworten. Mit 96 Prozent Vollauslastung sei die kleine bühne ein wichtiger kultureller Faktor im Gemeindeleben, so Kiefer weiter. 1963 gründete Willi Panter die kleine bühne als Talentschmiede für den Nachwuchs, bis dato noch ohne feste Spielstätte. Erst im März 1980 kam sie an ihren heutigen Platz im Obergeschoss der Geschäftsstelle der Volksschauspiele.

In dem halben Jahrhundert ihres Bestehen, hat es auf der kleinen bühne zahlreiche Produktionen gegeben wie Der Meineidbauer, Ein Sommernachtstraum oder Die Hammelkomödie. Erstmals 1977 unter der Regie von Willi Panter aufgeführt, erfreut sich das Stück 2014 einer modernen Interpretation nach dem Motto wer andern eine Grube gräbt muss mit der Schaufel umzugehen wissen. Von der Originalbesetzung vom 1977 ist 2014 noch Siegfried Kühn als Richter zu sehen.

Der bequeme aber beredsame Advokat Patelin (Kurt Tüg) schlägt sich mit Lug und Trug durchs Leben, sehr zum Leidwesen seiner Frau Wilhelmine(Lissi Hatz). Ständig ist die Haushaltskasse knapp und Wilhelmine hätte so gern ein neues Kleid: Seit sechs Jahren habe ich kein neues Kleid bekommen. Als sie ihn darauf anspricht meint ihr Gatte überheblich: Geld ist Nebensache, darauf kommt es nicht an. Da platzt der Gattin der Kragen und Patelin verspricht darauf hin, ihr Stoff für ein neues Kleid zu bringen: Wo nehme ich nur Stoff für ein neues Kleid her? Mit einem turbulenten Wortgefecht voller Witz schafft es Patelin schließlich einem Tuchhändler (Roman Gallion) Stoff für ein neues Kleid aus den armen zu leiern. Als der Händler sein Geld haben möchte, stellt sich der Advokat tot, um so der Forderung zu entgehen. Erst der einfältige, strickende und Mäh-sagende Schäfer Lämelin (Maximilian Tüg) schafft es am Ende, Patelin selbst zu betrügen. (Iris Nyczka)

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