Badisches Tagblatt, 16. Juni 2015

Körper und Stimme in Kombination gebracht

Seit Dezember trifft sich der hauptberufliche Schauspieler Sebastian Kreutz aus Karlsruhe einmal wöchentlich im Tellplatz-Casino mit dem künstlerischen Nachwuchs der Volksschauspiele Ötigheim. Vier Stunden arbeitet er mit 20 engagierten Jugendlichen daran, Körper und Stimme in Kombination zu bringen.

Das Ziel des einjährigen Projekts ist die Ausrichtung des Sprachorgans auf Tragfähigkeit. Durch korrekte Atmung erreicht man ohne Anstrengung eine lange Stimmbelastung, so dass man anhaltendes, ausdauerndes Sprechen, welches das Profitheater verlangt, problemlos meistert, erklärte der Mime im Gespräch mit dem BT.

Offen und entspannt geht Kreutz mit den Jungakteuren der VSÖ um. In zwanglosem Ambiente lernen sie schauspielerische Grundtechniken. Damit das Jugendprojekt nicht zur Trockenübung mutiert, erweitert Kreutz mit szenischer Arbeit das Repertoire der Nachwuchsamateure. Am Ende der einjährigen Arbeit stellen sie in der Aufführung Stückwerk anhand loser Szenen das Erlernte vor.

Während der Proben für Die Passion auf dem Tellplatz war die Jugendriege um Sebastian Kreutz selten komplett. Jede Woche ergab sich eine neue Teamkonstellation, da einige Jugendliche bei den Volksproben dabei waren. Acht aus der Runde hatten sich für Rollen im Theatersommer profiliert.

Kreutz kam voriges Jahr für die Leitung eines Jugendworkshops zu den VSÖ. Unser Nachwuchs war total begeistert von Sebastian Kreutz, was zum großen Erfolg des Workshops beitrug, berichtete Fritz Müller, Vorsitzender im künstlerischen Ausschuss der VSÖ, auf Nachfrage. Daher bot man den Jugendlichen das aktuelle Projekt an. Parallel streuen wir zusätzliche Module ein, die sich den Themen Maskenbildnerei und Fechttraining widmen, sagte Müller. Nachwuchsförderung sei den VSÖ sehr wichtig. Von Vorteil sind dabei interessante Themen, die erfahrene Seminarleiter kurzweilig vermitteln.

Mit Sebastian Kreutz scheint man eine gute Wahl getroffen zu haben. Im Sommer spielt er auf der Freilichtbühne unter der Regie von Peter Lüdi in dem Drama Amadeus von Peter Shaffer die Rolle des Antonio Salieri. Das Stück beleuchtet Mozarts Schaffen aus der Sicht seines Konkurrenten.

Kreutz wurde 1967 in Annahütte (Brandenburg) geboren. Nach handwerklicher Lehrzeit in Halle und Dessau arbeitete er ein Jahr lang als Dachdecker in Berlin sowie drei Jahre als Bühnentechniker am Landestheater Dessau. Sein künstlerisches Metier studierte er von 1991 bis 1995 an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock. 13 Jahre gehörte er bis 2011 zum festen Ensemble des Karlsruher Staatstheaters. Im Jahr 2006 erfolgte die Ernennung zum Staatsschauspieler. Den Kurt-Müller-Graf-Publikumspreis erhielt er 2012.

Kreutz arbeitet heute freischaffend sowie als Krankenhausclown. Zu seinen wichtigen Rollen zählt er unter anderem die Titelrollen in William Shakespeares Hamlet und Friedrich Schillers Wilhelm Tell. In Jean-Baptiste Molières Der Menschenfeind gab er Alceste, im Sommernachtstraum des großen britischen Barden spielte er Puck, in Schillers Die Räuber den Karl Moor. Kreutz besitzt Talente im Bauchreden und Zaubern, beherrscht Flickflack und Salto. (Manuela Behrendt)

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