Badisches Tagblatt, 27. Mai 2019

Klangwelten in Perfektion

Nach fünf Konzertstationen zelebrierte der Tross des sechsten Internationalen Chorfestivals Baden am Samstag mit pulsierender Lebensfreude und Vokalkunst zur Halbzeit im Telldorf eine glühende Huldigung an den Chorgesang.

Der dreistündige Höhepunkt der Veranstaltungsreihe mit Klangwelten in Perfektion aus vier kulturell verschiedenen Kontinenten fand traditionell auf der Naturbühne der Volksschauspiele statt. Die Völkerverständigung in canto unter dem Leitmotiv Spirit, Qualität, Internationalität und Vielfalt gelang beispielhaft.Zum Finale vereinten sich sieben Chöre im Zeichen der weltverbindenden Musik, stimmten die Hymne Spirit of Brotherhood an. Matthias Böhringer, musikalischer Leiter des Festivals, hatte sie auf Basis der Worte der UN-Menschenrechtskonvention von 1948 komponiert.Die zugängliche, emotional opulente Melodie flankierte Moderator Marc Marshall mit der Deklamation des ersten Artikels der Charta: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie (?) sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“. Nach wenigen Takten traf das in warmem Kolorit angelegte Werk den Nerv der gut 2 000 vom Zauber der internationalen Darbietungen überschäumend begeisterten Zuschauer. Als man diese zum Singen der Hymne einlud, war der Stimmenverbund zu vorgerückter Stunde ein ergreifender Glanzpunkt im ohnehin brillant entflammten Lüster des Konzerts.Dessen Eröffnung gestalteten als Gastgeber, Organisator, Ausrichter und Festivalgründer die Chöre des Männergesangvereins Ötigheim. Die 50 Frauen von Belle Amie intonierten ein mehrstimmiges, modernes Gloria. Der Riversong der vokal hervorragend aufgestellten 60 Männer entbot einen Gruß an die Traditionsmusik Irlands. Marc Marshall beließ es nicht bei der reinen Navigation durch den vielseitigen Abend, sondern beglückte das Publikum mit seiner besonderen Vokalkunst. Gleich zu Beginn entlockte er den mitmachbereiten Zuschauern ein stabiles Hintergrundsummen zu When a Child is Born, der Originalversion des eingedeutschten Hits Tränen lügen nicht. Durch die mitunter professionelle Ausbildung der internationalen Gäste, aber auch den jungen vitalen Popchor Twäng! aus Freiburg bewegten sich Gesang und Choreografien auf hohem Showniveau. Die deutsch-japanische Kooperation Tsubasa bezauberte mit virtuosem Klavierspiel, einer mächtigen Trommel und meisterhaft gesungenen Einblicken in japanische Volkslieder.Die Faszination am lettischen Kammerchor Austrums lag in den freundlichen Gesichtern der Choristen und deren kristallklaren Stimmen. Mit unbändiger Ausgelassenheit punkteten der südafrikanische Lesedi Show Choir und dessen Leiter Thabang Mokoena. Dass es keine große Menge braucht, um Exquisites zu leisten, bewies das mexikanische Vox Populi Project mit nur sieben Vokalisten. Thailändische Musik, ein Spiritual und der Abba-Hit Dancing Queen waren von den Bangkok Voices unter dem Dirigat von Kittiporn Tantrarungroj zu hören.Das Quintett Brass 4.1 bildete mit Posaune, Horn, Tuba und zwei Trompeten den ins-trumentalen Kontrapunkt der rundum gelungenen Veranstaltung, der sich für die Ausführenden eine Aftershow-Party anschloss. (Manuela Behrendt)

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