Badisches Tagblatt, 20. Dezember 2017

Stehende Ovationen für junge Nachwuchstalente

Früh färbt die Motivation zu kulturellen Leistungen bester Güte bei den Volksschauspielen Ötigheim auf den Nachwuchs ab. Dies belegte das qualitativ vorzügliche, emotional stimmige Adventskonzert von Jugendorchester und Kinderchor am Sonntag in St. Michael. Es war ein himmlisches Erlebnis, von den vielen Zuschauern mit stehenden Ovationen belohnt.

Am vierten Advent darf ein solches Konzert verzaubern. Es klingen schon die Weisen von Weihnachten herüber, der Retter ist uns verheißen, wir bereiten uns auf sein Geburtsfest vor, unterstrich Pfarrer Erich Penka die Intention der musikalischen Stunde.

Maria Bagger, seit zwölf Jahren Leiterin des VSÖ-Kinderchors, und Tanja Maria Wagner, seit 2014 Chefin des Jugendorchesters, brachten mit dem Gesamtklangkörper von 50 präsentationsfreudigen Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 19 Jahren Weihnachtsmagie in die Ötigheimer Pfarrkirche. Alle Arrangements der beiden Frauen für ihre Schützlinge waren erstklassig. Mehrstimmigkeit, Harmonie, Umsetzung und Ausführung waren eine Wucht. Mit dem Stück Im Stall in der Krippe eröffneten der Chor, drei jugendliche Gäste und sieben Erwachsene als Registerfüller das Konzert. Ein Kanon von Johann Pachelbel, das englische Weihnachtslied We Three Kings of Orient Are und die Filmmelodie des Fernsehklassikers Drei Nüsse für Aschenbrödel prägten vortrefflich die Visitenkarte der gut sortierten Jugendkapelle. Das jubelnde Halleluja aus Händels Messias huldigte vokal und orchestral dem king of kings and lord of lords, bevor der Chor a cappella singend (Dona nobis pacem) auf die Empore wanderte.

Damit die Sänger nicht unsichtbar blieben, übertrug eine Kamera Bilder auf eine Leinwand neben dem Altar. Die Vokalisten begeisterten unter Orgelbegleitung (Bernard Bagger) mit drei Werken von Gabriel Fauré, einem Komponisten des Fin de Siècle. Die süßen stimmlichen Perlen breiteten sich von der Empore wie der hauchzarte Flügelschlag eines Engels im Gotteshaus aus. Im Kyrie glänzten Lucia Battaglia und Helen Peters, das Benedictus modellierte Lea-Marie Schmidt solistisch.

Das fortgeschrittene Vokalensemble brachte wunderschön das Tantum ergo zu Gehör. Lucy Schindele meisterte überragend die Solopartie in Mozarts Laudate Dominum, einer Komposition, mit der sich die bekanntesten Soprandiven dieser Welt schmücken. Die traditionelle Weise Es ist ein Ros entsprungen (Solistenensemble) beendete den klassischen Teil. Der lebhafte A-cappella-Song White Winter Hymnal diente dem Vokalensemble zum Wechsel in das Genre des Barock-Pop. Aus allen Kehlen des Kinderchors erklang John Rutters herziges Angels‘ Carol.

Danach vereinten sich die Sänger mit den Musikern im Altarraum. Leicht jazzig gewürzt, wünschte das Vokalensemble Have Yourself a Merry Little Christmas. Schwungvoll ging das Konzert mit dem Medley Happy White Christmas zu Ende.

Das Repertoire des Jugendorchesters besteht aus Werken aller Epochen der klassischen Musik bis hin zu Pop, Rock und Filmmusik. Jedoch werden laut Orchesterleiterin Tanja Maria Wagner die Kompositionen selten im Original gespielt. Wagner passt alle Werke den Fähigkeiten der jungen Spieler an: Es sind also alle Instrumentalisten eingeladen, beim neuen Programm ab Februar bei uns mitzuspielen. (manu)

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