Badisches Tagblatt, 3. August 2015

Jugendorchester wird erwachsen

Saftige grüne Wiesen findet das badische Auge derzeit in der Region kaum. Endloses, frisches Weideland mit grasenden Schafen in einer Umgebung von sanften Hügelketten gab es am Donnerstag dennoch auf der Gefühlsebene zu sehen. Das Jugendorchester der Volksschauspiele stellte Lebensart und Naturbilder Irlands sowie keltische Jigs und Reels im Tellplatz-Casino vor.

Es war das erste eigenständige Konzert der Mädels und Jungs ohne Aushilfe von Erwachsenen. Da schwang ein bisschen Stolz in der Stimme mit, als man diese Tatsache dem Publikum kundtat. Eine Stunde lang zeigten die Musiker, was Saiteninstrumente alles drauf haben.

Die Moderation der Sommernacht in Irland, die ihren Impuls durch den Tanz Drowsy Maggie gefunden hatte, stemmte das Orchester in grünen T-Shirts, Hemden und Blusen in Eigenregie. Am Dirigentenpult stand Tanja Maria Wagner. Ihr Ehemann Ulrich teilte sich mit Felix Bluhm die Klavierbegleitung. Das Schlagzeug bediente Jonathan Kerl. Die Orchesterleiterin setzte alles daran, möglichst unauffällig durch den Abend zu kommen und den fülligen Sound der jungen Musiker in den Mittelpunkt zu stellen.

Ein Klagelied, vorgetragen auf einer Solovioline, bildete den getragenen Einstieg in die Hommage an die grüne Insel. Danny Boy gehörte natürlich in ein solches Konzert, ebenso The Blarney Pilgrim und das Volkslied Down by the Sally Gardens. Letzteres steuerte Melanie Thilenius mit ansehnlicher Stimme als gesangliche Einlage bei. Concerning Hobbits aus der Filmtrilogie Herr der Ringe rief romantische Bilder an das fiktive Auenland wach, offenbarte das hohe Potenzial des Jugendorchesters, mit dem es die Dirigentin nach Aussage der Aktiven nicht leicht habe aufgrund der großen Altersvielfalt. Das jüngste Orchestermitglied zählt gerade mal vier Jahre. Die professionelle Ensembleleiterin fand für alle eine Lösung, wie sich in ihrer Bearbeitung der Komposition Skyfall aus dem gleichnamigen Bond-Film erwies.

Der Coldplay-Hit Viva la Vida in der Version von David Garrett trumpfte megacool mit zwei E-Geigen sowie einem E-Cello auf. Cellistin Wagner mischte selbst mit, zog sich danach ins Publikum zurück. Vier Solisten wagten sich ohne sie (Damit die Großen auch einen Anreiz und etwas zu tun hatten) an einen Marsch, und zwei fröhlich-lebhafte Stücke symbolisierten den irischen Fiedler, dessen Musik zum Mitklatschen und Tanzen animiert. Irish Washerwoman ist die wohl bekannteste Komposition, die man sofort mit Irland assoziiert. Sie setzte den glorreichen Schlusspunkt eines Konzerts mit durchschlagendem Erfolg.

Folgende Musiker blühten in der Sommernacht in Irland auf: Cedric Dauth, Franziska Mangel, Gloria Möck, Mara Patzelt, Johanna Pehlivan, Carolin Pfeifer, Sarah Renftle, Kim Rost, Filip Sabadasz, Kai Streiling, Anselm und Pascal Wagner (Violine), Eva Beckert und Jakob Lehnguth (Violoncello), Jan und Melanie Thilenius (Gitarre/Mandoline). (Manuela Behrendt)

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