Badische Neueste Nachrichten, 27. Juli 2015

Idyllischer Abend mit vielseitigem Programm

Einen Sommernachtstraum versprach das diesjährige Festliche Konzert der Volksschauspiele Ötigheim und hatte hierfür offenbar sogar das Wetter auf seiner Seite. Das angekündigte Unwetter erreichte die Region erst nach der ersten Aufführung, und am am Tag der zweiten Aufführung legten sich die Windböen pünktlich mit dem Konzertbeginn.
Einem idyllischen Abend stand somit nichts mehr im Wege und mit der Ouvertüre zu Otto Nicolais Oper Die lustigen Weiber von Windsor begann ein abwechslungsreich zusammengestelltes Programm, das auch den Mondchor und Falstaffs Lied Als Büblein klein aus der selben Oper beinhaltete.
Da der Volksschauspielchor mit den Auftritten in der Passion ausgelastet ist, sicherte man sich die Mitwirkung des Extrachors am Badischen Staatstheater, der seine Sache großartig machte und zudem der Originalsprache eine Tür bei den Volksschauspielen öffnete. Als sonorer Falstaff stellte sich der Bassist Michael Tews vor, der später auch als Hans Sachs einen schönen Fliedermonolog (Die Meistersinger von Nürnberg) gestaltete. Der Romantiker Carl Maria von Weber durfte in einem solchen Programm ebenfalls nicht fehlen. Zwei Chöre, die Einleitungschöre der Opern Der Freischütz und Oberon sowie die Aufforderung zum Tanz, die auch den Tanzgruppen der Volksschauspiele eine erste Auftrittsmöglichkeit bot, loteten sein Œuvre aus. Zweiter Gesangsgast war die bereits aus dem Vorjahr bekannte Lea-ann Dunbar, die sowohl Rusalkas Lied an den Mond wie auch Gershwins Summertime ihren wohlklingenden Sopran lieh.
Bereits Appetit auf das kommende Jahr machten die Ouvertüre und besonders der Song Too Darn Hot aus Cole Porters Musical Kiss Me, Kate, das im nächsten Sommer auf dem Programm stehen wird. Sehr erfreulich ist die Entwicklung des Kinderchores (Leitung: Maria Bagger), der sowohl bei Les voici, les voici aus der Oper Carmen wie auch beim finalen Nabucco-Chor einen sehr guten Eindruck hinterließ und sich mit John Rutters Magical Kingdom auch als eigenständiges Ensemble präsentieren durfte.
Noch positiver ist die Entwicklung des Balletts der Volksschauspiele. Bereits im Vorjahr wurde dieses mit Auszügen aus La Bayadere zum Höhepunkt des Abends, in diesem Jahr gelang ihm dies mit Modest Mussorgskys Nacht auf dem kahlen Berge. Ein choreografisch (Andrei Golescu und Julia Krug) höchst anspruchsvolles und vorzüglich getanztes Kabinettstück.
Informativ, charmant und ein klein wenig frech führte Reinhard Danner durch das Programm, das von Ulrich Wagner stilsicher dirigiert wurde und dem das erweiterte Orchester der Volksschauspiele Ötigheim nichts schuldig blieb. Neben dem abschließenden Feuerwerk muss man unbedingt Stephanie Kuhn erwähnen, die einen entzückenden, pausenlos herumwuselnden Puck gab. (Manfred Kraft)

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