Badisches Tagblatt, 20. August 2015

Grüße von Agnetha

Ötigheim feiert in diesem Sommer die populären Musikstars früherer Zeiten: Die neue frivole Amadeus-Produktion im Rokoko-Look ist vorübergehend bei den Volksschauspielen vom ausgelassenen Pop-Sound der Hippie-Zeit abgelöst worden. Schon der zweite Song des Abends, der Grand-Prix-Hit Waterloo von 1974, hob die Zuschauer aus den Sitzen. SOS kam als erste Tanznummer groß raus -und bei Mamma Mia grassierte in Ötigheim vollends das ABBA-Fieber.

Einige Besucher der Freilichtbühne hatten stilecht Schlaghose und Plateauschuhe angelegt; die äußeren Ränge waren gleich auf den Beinen, die Hüften blieben im Dauerschwung; ein besonders glühender Fan begleitete nicht nur mit Luftgitarre, er beherrschte eine breite Instrumentenpalette pantomimisch. Die mitreißende Musik-Show A Tribute to ABBA mit einer deutsch-schwedischen Covergruppe ist am Dienstagabend in Ötigheim mit Hingabe auf der kaum zu bremsenden Welle der Begeisterung für die legendäre Popgruppe geritten. Den Segen von Agnetha höchstpersönlich überbrachte Bassist Mike Watson, der den ABBA-Sound noch mitprägte und auf den meisten Original-Einspielungen zu hören ist, heute Bandmitglied der Coverversion.

Seit das 1999 in London uraufgeführte ABBA-Musical Mamma Mia!, zu dem Benny Andersson und Björn Ulvaeus die alten Hits neu zusammenmischten, seine unvergleichliche Tour durch die Musicalhäuser weltweit vollzieht und eine Hollywood-Verfilmung erntete, ist der Schweden-Pop ein andauernder Publikumsrenner, nicht nur bei nimmermüden Dancing Queens.

Von London aus ist nun wieder eine exzellente Covergruppe unterwegs. Mit dabei neben Bassist Watson, auch der fast 75-jährige ABBA-Saxofonist Janne Kling. Ins Badische brachte er die original Fernando-Flöte mit. Vor 40 Jahren hätte er das primitive Instrument in Bolivien gekauft, erzählte Kling, für umgerechnet einen Euro, mit der Geschichte heute unbezahlbar.

A Tribute to ABBA feierte die vier Pop-Größen aus Schweden in einer Nostalgie-Revue von hohem musikalischen und gesanglichen Niveau. Die Kazina Dance Company ergänzte das Gesamtkunstwerk aus bester Popmusik, Discotanz, schrägen Kostümen und moderner Multimediatechnik: Die sieben Tänzerinnen und ihr Begleiter animierten mit einer lockeren Mischung aus Jazztanz, Ballett, Rock’n’Roll und Flickflack-Sprüngen auch das Publikum zur Ausgelassenheit.

Eine Wunschnummer nach der anderen legte die Show vor. Ex-ABBA-Musiker Kling zupfte den Dumm-di-di-dumm-Bass zu The Winner Takes It All, Chiquitita, Super Trouper, Money, Money, Money, Honey, Honey, von der rockigsten ABBA-Nummer Hole in Your Soul bis zu Dancing Queen reichte das Medley mit allem, was das Herz der Fans begehrte.

Vielleicht waren die Arrangements nicht so variabel wie bei ABBA, der Rhythmus manchmal zu gleichbleibend, und auch den Sopran von Agnetha hat man noch reiner und heller über der Ballade The Winner Takes It All schwebend im Ohr: Doch insgesamt brachte die Tribute-Show in Ötigheim die Erinnerungen an die berühmteste Pop-Musikgruppe aller Zeiten wieder bestens zum Klingen. Die vier ABBA-Parts waren mit zwei Sängerinnen besetzt, die stimmlich prima harmonierten, unter ihnen die blonde Mia Löfgren, die frühere Frontsängerin der schwedischen Band Rednex, und mit zwei exzellenten Musikern; am Klavier saß der deutsche Musikproduzent und Pianist Marcus Gorstein.

Schließlich kamen die fast 4000 Zuschauer der Freilichtbühne noch stimmlich zum Einsatz: Sie durften bei I Have A Dream den Chorpart übernehmen, den einst ein grausiger Kinderchor, so urteilte einst Björn Ulvaeus, eingesungen hatte. Bis zum obligatorischen Schlusslied Thank You For The Music, das wie das Amen in der Kirche folgte, rundete ein Potpourri im Schnelldurchlauf die schönsten Momente der Show ab. Ein paar Hits sind ausgelassen worden, für eine nächste Runde der Tribute To ABBA-Show. (Christiane Lenhardt)

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