Badische Neueste Nachrichten, 9. August 2018

Großes Kino für die Ohren

Die Sturmtruppler aus George Lucas’ Star Wars saugen ihre Energie aus Streichern, während Don Corleone alias Der Pate und der Sopran von Susanne Müller eine ganz besondere Symbiose miteinander eingehen. Bei der Galanacht der Filmmusik zeigten Wolfgang Roese und die ORSO Orchestra & Choral Society klangstarke cineastische Aspekte und bescherten den Volksschauspielen Ötigheim auf der Freilichtbühne einen Abend zwischen Fantasy, Abenteuer, Heldentum und Krimi.

Angesichts der gegenwärtigen Temperaturen war dieses Open-Air-Konzert nicht nur für die Menschen eine Herausforderung, sondern gleichermaßen für ihre Instrumente. Dennoch ging vom Orchester durchgängig ein Gefühl von Leichtigkeit aus, wofür die Künstler vom Publikum gefeiert wurden. Song für Song gab es für die gezeigte Spielfreude auf hohem technischen anhaltenden Applaus und Jubel. Denn schon vom ersten Stück an war die große Leidenschaft und Ausdruckskraft der Orso-Künstler zu spüren, als sie eine mächtige Lanze brachen für eine besondere, aparte filmische Nebensache – die Musik, die teilweise eine ganz eigene Karriere machte und manchmal sogar auf größere Erfolge verweisen kann, als der Film selbst. Ein bisschen Ennio Morricone, ein Ausflug in das Werk von Charlie Chaplin, der nicht nur geschauspielert sondern unter anderem auch komponiert hat, und eine kräftige Portion John Williams waren exzellente Zutaten für einen prickelnden Abend.

Auf dem Programm standen viele Jahrzehnte Filmgeschichte, die klangstark erzählt werden wollten Wolfgang Roese nutzte seine Möglichkeiten ausgezeichnet, indem er aus diesen breit aufgestellten Streicherreihen schöpfte, und bescherte den Zuschauern so einen symphonischen Hochgenuss. Mit an Bord war Susanne Müller als Solistin, die schon seit 2007 zum Chor des Orso kam und ihm treu blieb, obwohl sie inzwischen längst als Solistin aber auch als Stimmbildnerin tätig ist. Bei Ennio Morricone und seinen klassischen Vokalisen ließ sie für diesen kleinen Moment die Register ihres gesangliche Talents erahnen. Sicher und ausdrucksstark erfüllte sie die Freilichtbühne mit Klängen, die gänsehautverdächtig waren. Doch um diese zu erzeugen, bedarf es nicht zwingend der Mythen und klassischen (Anti-)Helden wie etwa Robin Hood, Forrest Gump oder Ben Hur. Auch Harry Potter und der berühmte Ich will nach Hause telefonieren -E. T. erwiesen sich selbst beim gesetzteren Publikum als absolut altersgerecht, dank der hier agierenden exzellenten Auswahl an Künstlern, welche in einem atemberaubenden Konzert den Komponisten der zugehörigen Filmmusiken ihren Respekt erwiesen. (Christiane Krause-Dimmock)

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