Badisches Tagblatt, 31. Mai 2016

Glanzpunkte von Wilhelm Tell bis Jeanne d’Arc

Bei anhaltendem Regen stimmten der Musikverein Ötigheim und die Rastatter Fahnenschwinger die Gäste des Theaterfests der Volksschauspiele (VSÖ) anlässlich des 110-jährigen Bestehens des Amateurtheaters (wir berichteten) am Sonntagabend auf die Jubiläumsshow Das war Spitze ein.

Dicht gedrängt saßen die Zuschauer überwiegend im Schutz der Überdachung des Bewirtungsbereichs im Freilichtfoyer. Aber auch unter Regenschirmen stehend, verzichtete das Publikum nicht auf die einstündige Foyerbühnenshow mit Glanzpunkten aus den erfolgreichsten Tellplatzaufführungen. Als Gäste waren Musiker, Sänger sowie hauptberufliche Mimen und Vokalkünstler mit von der Parte, die als Verstärkung einige Produktionen auf der Naturbühne unterstützt hatten.

Extra aus Berlin war Laura Kiehne angereist. Sie entfachte erneut das eindrückliche Feuer ihrer Rolle als Jungfrau von Orléans, einem der meistgespielten Stücke auf dem Tellplatz. Den Auftakt des Abends machte der unumstrittene Quotenkönig und Namensgeber der Freilichtspielstätte. Orchestral ließ er sich mit dem letzten Teil der Ouvertüre aus der Rossini-Oper Wilhelm Tell ankündigen. Seit dem Film Lone Ranger mit Johnny Depp dürfte diese Passage, die die Eisenbahnhatz zum Showdown untermalte, auch denen bekannt sein, die nichts mit klassischer Musik am Hut haben. In Gestalt von Martin Kühn trat der schweizerische Held mit seiner Armbrust vor die Zuschauer und gab den Monolog an der hohlen Gasse, wo Tell den tyrannischen Landvogt Hermann Gessler mit einem Meisterschuss zur Strecke brachte.

Der große Chor der VSÖ sorgte für Gänsehaut mit dem grandiosen Choral Hör uns aus der genannten Tell-Oper. Für die vielen atmosphärischen Abendveranstaltungen auf der Freilichtbühne stand der Mönchschor (Gesangverein Liederkranz) aus dem Schauspiel Der Name der Rose.

Stellvertretend für musikalische Kassenschlager wählten die Veranstalter aus der Operette Im Weißen Rössl den Evergreen Was kann der Sigismund dafür (Anna Hug und Maximilian Tüg). Viel Spaß beim Zusehen machte das Zinnsoldaten-Ballett (Schwarzwaldmädel). Eine Hommage an die Kinderstücke auf der Freilichtbühne war die Schuhputzszene der sieben Zwerge (Schneewittchen).

Zuletzt traten die Profis auf die Bühne. Marc Marshall sang die Vogelfänger-Arie (Die Zauberflöte). Annette Postel und Edward Gauntt nahmen sich des grünen Grüns aus My Fair Lady an. Sven Engel und Tobias Kleinhans moderierten die zauberhafte Stunde.

Das war Spitze galt nicht nur der Jubiläumsshow als Resümee, sondern laut Geschäftsstellenleiter Marc Moll auch der Bilanz des Theaterfests. Vor dem Hintergrund des Rastatter tête-à-tête, des Iffezheimer Rennsonntags und des Theaterfests der Ettlinger Schlossfestspiele freuen wir uns sehr über die heutigen Zuschauerströme. (Manuela Behrendt)

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