Badische Neueste Nachrichten, 24. Juli 2017

Glänzendes für Ohren und Himmel

Rosen aus dem Süden wollten die Volksschauspiele Ötigheim bei ihrem diesjährigen Festlichen Konzert präsentieren und hatten hierzu ein buntes Programm zusammengestellt, das von der Operette bis zum Konzerthit alles bot, was das Herz des Musikfreunds mit dem Süden verbindet. Der italienischen Oper wurde sowohl mit der Ouvertüre zu Verdis Die Macht des Schicksals wie auch mit dem Liebesduett aus seiner Oper Otello gehuldigt. Durch die krankheitsbedingte Absage von Jung-Heyk Cho kam es zur bejubelten Wiederbegegnung mit Andrea Shin, bis vor zwei Jahren Mitglied des Badischen Staatstheaters, dessen Stimme in der Zwischenzeit noch voller und cremiger geworden ist. Leider hatte er in Myriam Mayer keine adäquate Partnerin, stimmlich und stilistisch stand sie der Desdemona recht hilflos gegenüber. Als hübsche Ballett-Piece verpackte man Pietro Mascagnis Intermezzo aus Cavalleria rusticana, mit dem Pas de Six aus der Ballettmusik zu Rossinis Guillaume Tell schlug man den Bogen von der italienischen zur französischen Oper.

Hier hatte Sarah Alexandra Hudarew ihre großen Auftritte. Wirkte sie für die junge Mignon vielleicht eine Spur zu damenhaft, so war Connais tu le pays dennoch wunderbar gesungen und Dalilas Mon coeur s’ouvre à ta voix wäre wohl nicht nur Samson zum Opfer gefallen. Mitch Leighs Impossible Dream erklang in einer interessanten Chor-Fassung, die jedoch etwas unter der Sopranlastigkeit des Jungen Chors der Volksschauspiele litt. Dafür riss Andrea Shin mit dem unvergänglichen O sole mio zu Begeisterungsstürmen hin.

Ein wenig Werbung betrieb man auch für die kommende Spielzeit. Mehrere Ausschnitte stellten Carl Zellers Operette Der Vogelhändler vor, die im nächsten Sommer auf dem Spielplan stehen wird. Ein Wiedersehen gibt es dann mit Myriam Mayer, welche die Kurfürstin singen wird (und die als Operettendiva einen weitaus besseren Eindruck hinterließ denn als italienische Sopranistin) und mit Max Friedrich Schaeffer, der als Adam zu sehen sein wird.

Zwei großartige Ballettperlen rundeten den Abend ab und festigten den Eindruck der überaus positiven Entwicklung des Balletts der Volksschauspiele in den vergangenen Jahren. 54 Mitwirkende für Johann Strauß’ Rosen aus dem Süden sprechen für sich und Ravels Bolero wurde von 14 (!) männlichen Tänzern verstärkt, eine erfreuliche Neuerung.

Andrei Golescu und Julia Krug hatten nicht nur die kreativen Choreografien entwickelt sondern diese auch glänzend mit dem Ensemble umgesetzt. Souveräner Spiritus Rector war wie gewohnt der musikalische Leiter der Volksschauspiele Ulrich Wagner, und als charmanter Moderator agierte Reinhard Danner. Ein abschließendes Lob geht an Pyrotechniker Michael Lerner für das begeistert bejubelte Feuerwerk. (Manfred Kraft)

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