Badische Neueste Nachrichten, 19. Juni 2017

Lieder sollen Geschmack auf 2018 machen

Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühen?  Wer kennt diese erste Zeile aus Johann Wolfgang von Goethes Mignon-Gedichten nicht, wen hat sie nicht schon in sehnsüchtige Gefühle nach den südlichen Gefilden versetzt? Connais-tu le pays heißt die Romanze im ersten Akt der Oper Mignon des französischen Komponisten Ambroise Thomas, die bei den „Festlichen Konzerten“ am 21. Und 22. Juli erklingen wird. Sie entführt in die Sehnsuchtsländer Italien, Südfrankreich, Spanien, Portugal und Zypern, wo das Programm Rosen aus dem Süden angesiedelt ist. Doch nicht nur große Oper, auch das O sole mio wird zu hören sein und auf ganz besonderen Wunsch auch des Balletts, von Maurice Ravel der Bolero.

Ulrich Wagners Augen leuchten, wenn der musikalische Leiter der Volksschauspiele Ötigheim und Dirigent der Festlichen Konzerte über das Programm spricht, das in diesem Jahr das Publikum entführen und verführen will. So gibt es von Giuseppe Verdi die Ouvertüre zu Die Macht des Schicksals, es gibt eine Ballettnummer aus Wilhelm Tell, einen Chorsatz aus Der Mann von La Mancha und ein Duett zwischen Othello und Desdemona aus der Oper Otello von Gioacchino Rossini. Und nicht zuletzt wird Georges Bizets feurige Carmen mit spanischem Temperament die Freilichtbühne der VSÖ entflammen.

Die Begeisterung für die Schönheit der Melodien strahlt aus Ulrich Wagner, auch wenn er vom Vogelhändler erzählt, jener Operette von Carl Zeller, die am 10. Januar 1891 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde und deren Melodien unsterblich geworden sind. Vor allem das ältere Publikum kennt noch die Titel wie Christel von der Post oder Schenkt man sich Rosen aus Tirol. Wir haben einen großen Block mit Nummern aus dieser Operette, da sie in der nächsten Theatersaison als Musiktheater auf dem Programm steht, so Ulrich Wagner, der damit dem Publikum schon mal auf den Geschmack bringen möchte. Das haben wir in den vergangenen Jahren ebenso gehandhabt, mit großem Erfolg.

Auch eine weitere Grundidee der Festlichen Konzerte wird in diesem Jahr weitergeführt: Junge Künstler aus der Region bekommen eine Chance, vor großem Publikum aufzutreten. Ganz konkret sind das die Sopranistin Myriam Mayer, die Mezzo-Sopranistin Sarah Hudarew und der Tenor Carlo Cho. Myriam Mayer, die aus der Umgebung von Tübingen stammt und in Karlsruhe Gesang studiert hat, hat derzeit ein Engagement an der Oper in Stuttgart und ist zum ersten Mal in Ötigheim zu hören. Sarah Hudarew hat ebenfalls in Karlsruhe studiert und war dort von 2011 bis 2013 am Staatstheater engagiert. 2016 wechselte sie an das Luzerner Theater. Sie war bereits einmal in Ötigheim zu hören. Carlo Cho hat zuerst in seiner südkoreanischen Heimat studiert, bevor er nach Dresden ging. In den Spielzeiten 2007 bis 2011 war er am Staatstheater in Karlsruhe engagiert und wirkt seit 2011 ebenfalls in Luzern. Das Orchester setzt sich wie gewohnt aus den Mitgliedern des VSÖ-Orchesters, das seit November probt, und einem bewährten Stamm von Profis aus der Region zusammen, die schon seit Jahren zusammenspielen. Mit dabei natürlich auch das Ballett, das erstmals Männer in seinem Ensemble hat, und die Chöre. Gerade für die Chöre habe sich die Praxis bewährt, einen Teil der Nummern des Musiktheaterstücks vom nächsten Jahr für das Festliche Konzert einzustudieren, so Wagner. Das sitzt dann, das braucht nur noch aufgewärmt zu werden.
Beim Vogelhändler ist es bereits die Hälfte dessen, was sie im nächsten Jahr auf die Bühne zu bringen haben. Durch das Programm führt wieder Reinhard Danner und an beiden Tagen beendet ein Feuerwerk den Konzertabend. (Martina Holbein)

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