Badisches Tagblatt, 1. April 2018

Intensiver Theatersommer hinterlässt Spuren

Das sehr erfolgreiche Jahr 2018 mit hoher künstlerischer Qualität auf allen Ebenen, für das sich laut Pfarrer Erich Penka, dem Vorsitzenden der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ), rund 616 Aktive mit intensivem Engagement einbrachten, hinterließ derart große Spuren der Verausgabung, dass der Spielplan 2020 schmal ausfällt, wie beim Jahrestreffen bekannt wurde.

Auch Geschäftsführer Maximilian Tüg bezeichnete den vergangenen Theatersommer als schweißtreibenden Kraftakt. Rudi Wild (Spielbetrieb) zählte 1400 Probenstunden der Rollenträger. Auswirkungen hatte dies auf die Besetzung für 2019, erläuterte Paul Hug, Vorsitzender der künstlerischen Leitung. Nur zögerlich bestand seitens der Akteure die Bereitschaft, für Münchhausen, Die Räuber und Der Gestiefelte Kater erneut in anspruchsvolle Parts zu schlüpfen.Im Spieljahr 2020 will man deshalb alle Aktiven entlasten. Mit weniger Probenaufwand reduziert sich der Stress, so Hug. Auf dem Plan steht Wilhelm Tell anlässlich der 110. Wiederkehr der Erstaufführung des Klassikers in Ötigheim. Mit den 25 Vereinen des Reiterrings Mittelbaden sei man in Kontakt, da für das Paradestück zusätzliche Reiter fehlen. Für Kinder steht Der Zauberer von Oz auf dem Programm. Auf der Kleinen Bühne erlebt die Komödie Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde ab Herbst 2019 eine Wiederaufnahme. Im Frühjahr 2020 präsentieren Ballettgruppen und Jugendorchester an zwei Aufführungstagen ein Gemeinschaftsprojekt. Künftig will man auf dem experimentellen Podium jeweils eine Produktion ab Herbst bis ins Frühjahr durchspielen. Dadurch würde sich zudem die Arbeit der Techniker und Bühnenbauer entspannen, erklärte Hug.

Für Diskussionen sorgte die Bekanntgabe von Frank Strobel als Regisseur für Wilhelm Tell. Ursprünglich war Rebekka Stanzel vorgesehen. Wie Hug auf Nachfrage von Matthias Götz und Fritz Müller erläuterte, war man zwar mit Stanzel im Gespräch; zu einem Vertragsabschluss kam es jedoch nicht. Stefan Brkic regte eine feste Regelung für die Durchführung öffentlicher Generalproben an und unterstrich die Wichtigkeit einer solchen ersten Publikumsresonanz für die Akteure.Aktuell sei man laut Hug mitten in der spannenden Vorbereitungszeit für die Saison. Ab 10. April arbeitet Regisseurin Johanna Schall an Münchhausen. Als musikalischer Leiter im Übergang steht ihr Matthias Hammerschmitt zur Seite. Für die Rolle des Franz Moor in Schillers Drama Die Räuber verpflichtete man den Berufsschauspieler Martin Trippensee. Bei den Festlichen Konzerten schwingt Karl Albert Geyer (Philharmonie Baden-Baden) den Taktstock.

Unter neun Bewerbern für die Nachfolge von Ulrich Wagner als musikalischer Leiter setzte sich der Kirchenmusiker und Kapellmeister Markus Bieringer aus Ettlingen durch. Das Jugendorchester leitet Kilian Ziegler. Eine Runderneuerung des Tellplatzkomplexes sowie der kleinen bühne steht in den kommenden zehn Jahren auf der Agenda der VSÖ, wie Tüg informierte. Im Blick hat man zunächst die Erstellung eines Sanierungskonzepts. Dazu gehört unter anderem Fundraising. Damit dies professionell funktioniert, begleitet Julian Feil von der Fundraising-Akademie im Landesverband der Freilichttheater das Vorhaben. Unsere Eigenproduktionen liegen über Stadt- und Staatstheaterniveau, sagte Tüg. Mit diesem Status, an dem sich auch künftig nichts ändern soll, habe man die Chance auf Fördergelder von Kreis und Land. Auf höchster politischer Ebene wolle man den Kontakt intensivieren. Einige Neuerungen im Zuschauerfoyer zeigen sich bereits im Sommer. Auf dem Gelände entstand ein neuer Sektstand, außerdem beseitigte man Stolperfallen. Deutliche Veränderungen erfuhr das Bühnengebirge. Tüg eröffnete, man fand in Stefan Lohmann aus Hamburg einen Vermittlungsagenten, der künftig für die VSÖ attraktive Gastspiele an Land zieht. Personell gewann man Julian Baumstark und Alexander Grünbacher für weitere zwei Jahre als Jugendreferenten. Lukas Späth avancierte zum stellvertretenden technischen Leiter sowie Chefbeleuchter. (Manuela Behrendt)

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