Badische Neueste Nachrichten, 16. Dezember 2014

Gemeinsames Spiel steht im Vordergrund

Für mich spielt es keine Rolle, wie weit der Einzelne auf dem Instrument fortgeschritten ist. Spaß und Freude an der Musik und am gemeinsamen Musizieren zu vermitteln, darum geht es bei meiner musikpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, unterstreicht Tanja Maria Wagner, die bereits im Mai dieses Jahres die Leitung des Jugendorchesters der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) übernommen und damit die Nachfolge des langjährigen Dirigenten Alfons Rieger angetreten hat.
Im Moment laufen gerade die Vorbereitungen für ein Konzert zur offiziellen Stabübergabe und Verabschiedung Riegers am Sonntag, 21. Dezember, um 15 Uhr im Gemeindehaus Alte Schule. Am selben Ort wird für dieses Konzert gerade fleißig geprobt. Das Jugendorchester – 15 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und 20 Jahren – studiert weihnachtliche Melodien ein: das Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli und Joseph Haydns Kindersinfonie stehen auf dem Programm. Eine gute Gelegenheit für einen Probenbesuch, der auch Einblick in die Arbeit der neuen Jugendorchesterleiterin gewährt. Als Klavierbegleiter im Einsatz ist Tanja Maria Wagners Ehemann, der Kapellmeister und musikalische Leiter der Volksschauspiele, Ulrich Wagner.
Einfühlsam geht die 43-Jährige – selbst Mutter zweier Söhne – auf die jungen Ensemblemitglieder ein. Zu denen gehören an diesem Tag neben vielen Streichern auch ein Gitarrist und eine Xylofon-Spielerin. Toll macht Ihr das, sehr gut, spart sie nicht mit Lob, wenn der Nachwuchs unbeschwert, aber dennoch aufmerksam und mit musikalischem Gefühl an die Sache rangeht. Ein verpasster Einsatz oder ein paar schräge Töne sind für Wagner kein Weltuntergang. Mit Freude gemeinsam Musik machen kann man auch mit falschen Tönen“, erklärt die Musikpädagogin. „Statt krampfhaft aufzupassen, ja keinen falschen Ton zu spielen, will ich sie dahin führen, sich als Mitglied im musizierenden Ensemble wohlzufühlen.
Dabei achte sie stets darauf, dass die Instrumentalisten lernen, beim gemeinsamen Spiel aufeinander zu hören. Dies sei im Orchester noch wichtiger als im Instrumentalunterricht selbst. Für die noch nicht so weit fortgeschrittenen jüngeren Mitglieder vereinfache sie die Stimmen, berichtet Wagner, die auch nicht so großen Wert auf einen 100-prozentig originalen Notentext legt. Mir ist wichtig, dass möglichst viele möglichst früh mitspielen können. Wenn sie dann fortgeschrittener sind und die Orchesterschule durchlaufen haben, können sie im großen Orchester der VSÖ Originalliteratur spielen. Eine Schwierigkeit ergibt sich für Wagner daraus, einerseits die Jugendlichen, die zum größeren Teil auch schon im großen Orchester mitspielen, nicht zu unterfordern, und gleichzeitig diejenigen, die erst kurze Zeit im Jugendorchester sind, nicht zu überfordern. Die Älteren helfen den Jüngeren beim Stimmen der Geigen oder übernehmen Stimmproben, hofft Wagner mit der Auswahl der Stücke auch die Fortgeschritten anzusprechen, wenn sich diese etwa Filmmusiken wünschen. (Ralf Joachim Kraft)

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