Badisches Tagblatt, 23. Juli 2018

Funkensprühendes Festkonzert

Die Volksschauspiele Ötigheim ließen es krachen. Das kurze, aber funkensprühende Feuerwerk zum Finale war der passende Abschluss der beiden musikalisch ebenso funkensprühenden Festlichen Konzerte. Dieses Mal very british als Last Night of the Proms überschrieben. Gut, es gab keine voran gegangenen Promenadenkonzerte, kurz Proms, dafür konnten die zahlreichen Zuschauer ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm für die Last Night, also die Letzte Nacht, genießen. Für Ulrich Wagner, den musikalischen Leiter der Volksschauspiele, waren die beiden Aufführungen der Last Night of the Proms tatsächlich eine letzte Nacht, denn diese Saison wird seine letzte in Ötigheim sein. Man wird ihn dort vermissen.

Reinhard Danner führte witzig und lebendig durch den Abend. Amüsant nahm Danner beliebte Klischees aufs Korn wie das berüchtigte britische Wetter und übte sich augenzwinkernd in der Kunst des britischen Understatements. Jedes der gespielten Stücke hatte einen Bezug zur Insel, wobei die Anforderungen an alle Mitwirkenden hoch waren. Da Ulrich Wagner im Hauptberuf Chor und Extrachor am Badischen Staatstheater Karlsruhe leitet, kam der Extrachor, um den in der Ötigheimer Operette Der Vogelhändler auftretenden Chor der Volksschauspiele zu entlasten. Dem Chor der Landleute aus der Oper Martha verlieh der Extrachor des Badischen Staatstheaters spritzige Rhythmik, ausdrucksvoll gestalteten die Choristen den Flüchtlingschor aus Verdis Macbeth. In einem Medley aus dem Musical König der Löwen glänzte der klangvoll und klar singende Kinderchor der Volksschauspiele.

Vom Badischen Staatstheater kam auch einer der Solisten. Eleazar Rodriguez führte seine prachtvolle Tenorstimme mühelos durch die Arie des Lyonel Ach so fromm, ach so traut aus der in England spielenden Martha, und er achtete dabei vorbildlich auf die Verständlichkeit des Textes. Es gibt in Ötigheim keine Übertitelungsanlage, auf der man sich in dieser Hinsicht ausruhen könnte.

Mezzosopranistin Marysol Ximenez-Carrillo bestach durch ihre schöne Stimme, ihre Präsenz und ihren mitreißenden Spielwitz. Wunderbar ihre Rachefantasie Wart’s nur ab, Henry Higgins als Eliza aus My fair Lady. Und wer könnte ihrer Bianca aus dem Musical Kiss me, Kate die zahlreichen Affären übelnehmen, wenn sie so reizend erklärt werden, wie es Marysol Ximenez-Carrillo tut?

Die Volksschauspiele Ötigheim haben nicht einfach nur ein Ballett, sie verfügen über mehrere Tanzgruppen in verschiedenen Altersstufen. Sie alle hatten ihren Auftritt in der Last Night of the Proms. Andrei Golescu und Julia Krug hatten für jede Gruppe, von den ganz kleinen Ballettmäusen bis zu den erwachsenen Tänzerinnen, reizvolle Choreografien zu Händels Wassermusik entworfen. Geschickt ließen sie die einzelnen Gruppenchoreos aus dem Gesamttableau hervorgehen, der Stil passte perfekt zu den barocken Tanzsätzen, aus denen sich die Wassermusik des Wahlbriten Georg Friedrich Händel zusammensetzt.

Zu Reinhard Danners schwungvollem, tonsicheren Auftritt als Vater Doolittle mit Hei, heute morgen mach? ich Hochzeit lieferten Tänzerinnen einen flotten Cancan. Ganz anders im Ausdruck, aber ebenso punktgenau zu Musik und Inhalt, steuerten Tänzerinnen um Julian Baumstark als Agent 007 die bewegten Bilder zum Medley aus frühen James-Bond-Filmen bei. Die Beleuchtung setzte diesen Auftritt ins richtige Licht.

Kein Festkonzert im britischen Stil ohne Thomas Arnes Rule Britannia und die inoffizielle Nationalhymne Land of hope and glory. Für diese Stücke kam der Projektchor der Volksschauspiele hinzu. Das verlieh dem patriotischen Refrain von Rule Britannia den entsprechenden Nachdruck, und Eleazar Rodriguez garnierte die Solopartie mit einem glanzvollen hohen C.

Das Orchester der Volksschauspiele hatte sich bis dahin bereits als stilsicher in unterschiedlichsten musikalischen Epochen und Genres gezeigt. Selbst das äußerst anspruchsvolle Vorspiel zum ersten Akt von Wagners Tristan und Isolde wurde souverän, konzentriert und voller Spannung musiziert. In Elgars Marsch Nr. 1 aus Pomp and Circumstance, samt der Hymne Land of hope and glory, zeigte das Orchester noch einmal den beträchtlichen musikalischen Schliff, den es braucht, um das Stück in diesem Tempo und mit dieser präzisen Akzentuierung zu spielen. An diese Art von Festkonzert in diesem Stil könnte man sich gewöhnen. (Nike Luber)

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