Badische Neueste Nachrichten, 30. August 2014

Füße sausen über die Bühne

Was für eine mitreißende Show zum 15-jährigen Bühnenjubiläum: originell, witzig, spritzig, rasant und noch dazu interaktiv. Da wirbeln die Füße. Da zieht ein feuriges Steppgewitter über die in allen Farben illuminierte Ötigheimer Freilichtbühne. Da wird gesprungen und getanzt, bis die Socken qualmen und die Funken sprühen. Kurzum: Ein magischer Cocktail aus Kultur und Hochleistungssport, dargeboten in Irlands derzeit turbulentester Stepptanz-Show „Magic of the Dance“. Die machte am Donnerstagabend zum nunmehr vierten Mal im Telldorf Station und begeisterte rund 3.000 Zuschauer.

Bevor die Compagnie mit den schnellsten und besten Stepptänzern der Welt mit ihrer Geburtstagsfassung des Stepptanz-Spektakels die Bühne erobert, taucht zuerst Regisseur und Produzent Jaka Bizilj als Ansager auf, dann die beiden Hauptakteure Collette Dunne und Ciaran Maguire. Im Publikum sei eine junge Frau, die gerade eine neue Lunge bekommen habe. Sie wünsche sich nichts sehnlicher, als den Irish Dance zu erlernen. Der Wunsch wird ihr erfüllt, sie bekommt die ersten Schritte beigebracht.

Kurz darauf steigt Trockeneis-Nebel im hinteren Bühnenbereich auf. Eine Tonband-Stimme erklingt. Es ist das sonore Organ des englischen Schauspielers Christopher Lee (Dracula). Er erzählt die Geschichte eines jungen Liebespaares, das vor dem Hintergrund der irischen Hungersnot Anfang des 20. Jahrhunderts in die Neue Welt aufbricht, getrennt wird, sich wiederfindet und im Kampf des Guten gegen das Böse obsiegt.

Aus allen Richtungen – von vorne, aber auch von hinten aus dem Zuschauerbereich – strömen Mönche mit brennenden Fackeln zu mystischen Klängen auf die in rotes Licht getauchte Bühne. Die vom achtmaligen Stepptanzweltmeister John Carey choreografierte Show beginnt. Kaum ein Zuschauer, der jetzt noch seinen Blick von den blitzschnell und synchron über die Bühne steppenden Füßen abwenden kann. Begleitet vom unverkennbaren Rhythmus und Klang traditioneller irischer Musik lassen die Tänzerinnen und Tänzer ihre eisenbewehrten Schuhsohlen aufs elektronisch unterfütterte Parkett prasseln.

Pyrotechnische (Knall-)Effekte bescheren Schrecksekunden. Im Hintergrund flimmern Videoprojektionen über eine riesige Leinwand. Tänzerisch wird der Bogen über mehrere Jahrhunderte gespannt. Egal ob traditioneller irischer Linien- und Kreistanz oder moderner amerikanischer „Tap-Dance“ – Perfektion, Leichtigkeit und Grazie sind Trumpf. Nicht nur bei der Irish Dance Troupe, sondern auch bei den New York Tap All Stars, die als die eigentlichen Stars des Abends die Brücke schlagen zwischen der alten und der neuen Welt und in spektakulären Choreografien klassischen Stepptanz mit witzigen Showeinlagen kombinieren.

Die Spaßvögel um Bryan Berry warten, mal als Rapper, mal als fesche Matrosen, nicht nur mit Trommeleinlagen auf. Da wird auch mal auf Holzkisten, mit Besen oder in und neben Ölfässern gesteppt. Riesenbeifall gibt’s für ihre Nummer auf einem riesigen elektronischen Lichtorgel-Xylofon – und vor allem für ihr Spiel mit dem Publikum. Ihren größten Lacherfolg erzielen sie, als sie Rainer, Richard und Karsten aus der ersten Reihe auf die Bühne holen, um dem Rat Pack Tanzunterricht zu erteilen. Eine Gaudi für alle, die’s nicht erwischt hat.

Bei der Irish Dance Troupe verkörpern Ciaran Maguire und Collette Dunne – beide blond und weiß gekleidet – die Guten. Dunne begeistert als verliebte Maid, Maguire steppt sich als Liebhaber die Seele aus dem Leib, bis ihm buchstäblich die Füße brennen. Den spannenderen Part haben die dunkelhaarigen, stets schwarz gekleideten Bösen, die sich mit den Guten das eine oder andere Stepp-Duell liefern. Neben Michelle Lawrence ist das vor allem der teuflische Publikumsliebling Dermot Cullen, der durch sein ungestümes Auftreten, sein Temperament und seine Hochgeschwindigkeitssoli die Stimmung anheizt. Ohne Zugabe kommen die 16 Akteure nicht davon. Ihr Lohn: begeisterter Applaus. (Ralf Joachim Kraft)

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