Badische Neueste Nachrichten, 22. April 2021

Finanzspitze für die Volksschauspiele

Das Überleben der Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) scheint gesichert: Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Landkreises hat sich dafür ausgesprochen, der Freilichtbühne mit einer Einmalzahlung von maximal 150.000 Euro in der Corona-Krise unter die Arme zu greifen. Am Ende muss das zwar der Kreistag noch beschließen, doch auch hier ist mit großer Zustimmung für den sogenannten Defizitausgleich zu rechnen. Maximilian Tüg, geschäftsführender Vorstand der VSÖ, ist erleichtert. Der Stein ist riesig, der mir vom Herzen gefallen ist, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Im Februar hatten die VSÖ bekannt gegeben, dass die aktuelle Saison, in der eigentlich das Programm des vergangenen Jahres nachgeholt werden sollte, nicht in diesem Umfang stattfinden kann und stattdessen ein kleineres Alternativprogramm gefahren wird. Dabei war am Rande auch die schwierige finanzielle Lage von Deutschlands größter Freilichtbühne erwähnt worden. Zu einem angekündigten Pressetermin mit mehr Infos zu dem Thema ist es aber nie gekommen. Nun wird deutlich: Das finanzielle Loch ist groß. Bereits im vergangenen Jahr sind die VSÖ von etwa 750.000 Euro Miesen ausgegangen. Damals hoffte man aber noch auf eine reguläre Saison 2021. (…)

Derzeit leben die Volksschauspiele von einer Bürgschaft der Gemeinde Ötigheim über 1,02 Millionen Euro. Sie ermöglicht es dem Theater, liquide zu bleiben und etwa Forderungen aus Kartenstornos zu bedienen. Zudem habe es bereits zahlreiche Spenden von Freunden der VSÖ gegeben. Wir nähern uns aktuell einer sechsstelligen Summe, freut sich Tüg.

Trotzdem sind die Hilfen des Kreises dringend nötig. Denn an ihnen – und einem Zuschuss von 50.000 Euro durch die Gemeinde – hängen weitere Hilfen des Landes. Möglicherweise könnte die Entscheidung über deren Höhe noch im Laufe des Aprils fallen, sagt Tüg. Ob es zu schaffen ist, den kompletten Corona-Schaden über Zuschussgeber zu stemmen? Das kann ich nicht sagen. Immerhin hatten die VSÖ auch schon vor der Pandemie Schulden von einer halben Million Euro. Außerdem war damals auch ein Sanierungskonzept erarbeitet worden. Da steht uns ja sowieso investiv noch was bevor, gibt Tüg zu bedenken.

Um das Finanzloch nicht unnötig groß werden zu lassen, hatten die VSÖ laut Tüg schon früh auf eine „absolut strenge Kostenkontrolle“ gesetzt: Wartungen seien verschoben, Mitgliedschaften und Versicherungen auf ihren Nutzen geprüft und gegebenenfalls auch gekündigt worden. Und auch das Personal hat seinen Beitrag geleistet: Die Schneiderei war ein Jahr zu Hause, das technische Personal nur zu 15 Prozent mit Wartungsarbeiten im Einsatz, das Büro zu 25 Prozent besetzt. (…)

CDU-Fraktionssprecher Andreas Merkel lobte diese erheblichen Eigenanstrengungen, dennoch sei es alleine für die VSÖ nicht zu schaffen. Die Unterstützung durch den Kreis sei ein Zeichen der Solidarität und Nothilfe. (…)

Ötigheims Bürgermeister Frank Kiefer war von dem klaren Bekenntnis zur Freilichtbühne überwältigt. Es sei unglaublich, welche Anerkennung die Volksschauspiele auch aus den Reihen der Bürger erhalten würden. Da erhalten Sie Briefe, da laufen Ihnen die Tränen runter. (Swantje Huse)

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