Badisches Tagblatt, 17. Mai 2017

Fast täglich auf dem Tellplatz

Gewissenhaftigkeit gehört dazu; alles andere wäre Larifari, beschreibt Alexander Grünbacher den Grundsatz seiner Aktivitäten bei den Volksschauspielen Ötigheim (VSÖ). Von Juni bis August steht der 38-Jährige in Dschungelbuch – Das Musical, Ein Sommernachtstraum sowie Luther auf der Bühne und wirkt in den festlichen Konzerten als Tänzer in der Ballettversion von Ravels Boléro mit.

Hinter dem Versicherungskaufmann liegen 40 Proben als schwarzer Panther Baghira, sechs in der Rolle des Herzogs Theseus, neun als mittelalterlicher Poet und acht im Ballett. Bis zu drei Stunden dauert eine Probe. Daheim investiert Grünbacher zusätzlich 15 Stunden für das Textlernen. Seit Herbst bildet er als Jugendreferent mit Julian Baumstark eine Stabsstelle innerhalb des Vorstands. 15 Freizeitstunden steckte Grünbacher in das neue Amt.

In Zeiten des Umbruchs bei den VSÖ sei diese Aufgabe eine sehr interessante Geschichte, da viele neuen Ideen reinkommen. Auf die Gesamtheit seines VSÖ-Engagements angesprochen, sagt Grünbacher: Ja, es ist unglaublich viel Arbeit, aber es macht halt sehr großen Spaß.

Flexible Bürozeiten im hauptberuflichen Innendienst ermöglichen seine ehrenamtliche Disziplin. Von April an bin ich fast täglich auf dem Tellplatz; er ist mein Wohnzimmer, hier bin ich mit meinen Freunden zusammen.

Der Ötigheimer kam 1998 völlig untypisch und erst mit 19 Jahren zum Theaterverein. Seine Familie war beruflich enorm eingespannt, hatte daher nichts am Hut mit dem Tellplatz. Als Teenager war Grünbacher Leichtathlet und spielte Konzertgitarre. Seine Freunde hatten das Amateurtheater da schon für sich entdeckt. Um nicht den ganzen Sommer allein zu versauern, stieg ich ebenfalls bei den VSÖ ein, berichet er.

Grünbachers Werdegang begann als Komparse. Auf der Kleinen Bühne spielte er 2004 einen führenden Part in Frühlings Erwachen. Regieassistent hinter den Kulissen war er in My Fair Lady (2004) und Anatevka (2007). Er stellte dabei fest, dass mir diese Arbeit nicht wirklich liegt. Grünbacher wollte auf der Bühne stehen – egal, ob in der Statisterie, im Chor oder in einer Sprechrolle.

In der Hauptrolle des Seymour machte er 2010 im Musical Der kleine Horrorladen auf sich aufmerksam. Im Mittelalterkrimi Der Name der Rose lieh er dem Adlatus Adson Gestalt und Stimme. Vier Stunden Vorlauf für die Vorbereitungen sind nötig, um 23 Uhr ist die 20-Uhr-Vorstellung zu Ende. Vor einem Aufführungstag ist nichts mit Disco, Party und Abfeiern. Die Professionalität des Ötigheimers geht so weit, dass er 2016 als Marius die Premiere von Les Misérables mit gebrochenem Arm durchstand.

Seinen Antrieb beschreibt er so: Ich will richtig ackern, wenn das Ergebnis super sein soll. Momentan ackert er mit dem Dschungelbuch-Script. Laut Textbuch hat Baghira am meisten zu sagen. Auf das Musical freut sich Grünbacher: Es gibt nichts Besseres, als mit meinem besten Freund zu spielen. Diese treue Seele ist Maximilian Tüg, der als Bär Balu zu sehen ist. (Manuela Behrendt)

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