Badisches Tagblatt, 29. April 2021

Erzdiözese bekennt sich doch zum Tellplatz

Es war schon ein Politikum, als im Telldorf im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass ausgerechnet die Erzdiözese den Volksschauspielen (VSÖ) mit ihren katholischen Wurzeln in der akuten existenziellen Krise nicht unter die Arme greifen wollte. Doch im Hause des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger ist man offenbar noch mal in sich gegangen – sehr zur Freude von Maximilian Tüg, dem geschäftsführenden Vorstand der VSÖ.

Eventuell bekommen wir künftig sogar einen laufenden Zuschuss, ist Tüg guter Dinge angesichts der Signale aus Freiburg. Im vergangenen Jahr sah das noch anders aus, als sich die Volksschauspiele im Zeichen der Corona-Krise an die Erzdiözese gewandt hatten. Obwohl an der Spitze der von Pfarrer Josef Saier gegründeten VSÖ seit Bestehen ein Geistlicher steht und der Theaterverein bis heute Saiers Vorgaben erfüllt und Stücke im Spielplan hat, die christliche Werte vermitteln, sah sich das Bistum außerstande, nicht-kirchliche Einrichtungen finanziell zu stützen. (…)

Nun aber stellt die Erzdiözese doch eine Unterstützung von 20.000 Euro in Aussicht, erklärte Bistumssprecher Michael Hertel gegenüber dem BT. Die Mittel würden aus dem Zukunftsfonds fließen, sobald dafür ein ordentlicher Antrag gestellt wird, so Hertel. (…)

Stimmt, sagt Tüg. Das Problem: Der geschäftsführende Vorstand arbeitet derzeit die Zuschussanträge nach Priorität und Abgabefristen nach und nach ab. Auf der Liste standen oder stehen die Überbrückungshilfen I, II, III, Kurzarbeitergeld, Neustart Kultur, Nothilfeantrag beim Landkreis und beim Land Baden-Württemberg. Und weil Tüg auf dem Tellplatz ehrenamtlich aktiv ist und bleiben will, habe man den Ball aus Freiburg noch nicht zurückspielen können.

Im Büro der Volksschauspiele spielt sich gerade die personelle Neuausrichtung ein. (…) Sollten wieder normale Zeiten einkehren, soll der neue künstlerische Betriebsdirektor Stefan Haufe einige Aufgaben von Tügs Schultern nehmen; Haufe selbst ist derzeit vor allem bei der Regie für das Musical Der kleine Horrorladen eingespannt.

Dank der Nothilfen bekommen die Volksschauspiele gerade wieder Boden unter den Füßen. Ohne die Unterstützung hätte man mit einem Minus von 1,4 Millionen Euro kalkuliert, wie jüngst im Finanzausschuss des Kreistags bekannt geworden war. Die Morgenluft wird auch personell spürbar. Die Kurzarbeit auf dem Tellplatz ist seit 1. April beendet; die betroffenen 13 Mitarbeiter seien allesamt wieder an Bord, so Tüg. (…)

Am Samstag, 12. Juni, soll die abgespeckte Saison mit Das Haus in Montevideo starten. Wir sind bereit, erklärt der Vorstand. Jetzt hofft man in Ötigheim darauf, dass die Rechtslage und der Rückgang des Infektionsgeschehens den Theaterbetrieb erlauben. (…) (Egbert Mauterer)

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