Badisches Tagblatt, 26. Januar 2018

Erfolgskomödie mit einigen neuen Pointen

Jennifer Hofmann hat bei der Probe zu Otello darf nicht platzen gut zu tun. Die Regieassistentin, die sich mit Elisabeth Hug zusätzlich die Arbeit als Souffleuse teilt, hilft mit Textanschüben weiter, wenn die Akteure hängen. Am 2. Februar findet auf der kleinen bühne die Premiere statt. Hänger sind dann tabu.

Dass in der Talentschmiede stets gute Qualität abgeliefert wird, dafür stehen die Volksschauspiele Ötigheim. Erfahrene VSÖ’ler agieren in der Boulevardkomödie des US-amerikanischen Dramatikers Ken Ludwig Seite an Seite mit talentiertem Ausnahmenachwuchs auf der Bühne. Ludwig, Jahrgang 1950, startete mit Otello darf nicht platzen 1986 einen ungeahnten Siegeszug um den Globus. Das Stück um Starverehrung, Rollentausch und eine junge Liebe erhielt neun Nominierungen für den Tony-Award (den Oscar der Theaterbühne), wurde in 16 Sprachen übersetzt und in 25 Ländern aufgeführt. Im Jahr 2010 erweiterte man die Posse mit gelungenen Songs zum Musical.

Auf der Kleinen Bühne inszeniert Altmeister Hannes Beckert seine Adaption der Komödie. Im Internet lässt sich ja viel über das Stück erfahren, aber damit habe ich mich nicht intensiv beschäftigt. Abkupfern ist nicht Beckerts Ding. Von hochstilisiertem Remmidemmi-Theater hält er nicht viel. Deswegen verweilt er in den vorgegebenen Gewässern von Ken Ludwigs Skript, aber: Ich habe ein paar eigene Pointen eingebaut, sagt der Regisseur, der mit Otello darf nicht platzen seine achte Arbeit als Spielleiter präsentiert.

Beckert ist bekannt als Mime voller Elan und schauspielerischer Verve. Viele schöne Rollen durfte er nach eigener Aussage spielen. Auf der kleinen bühne führte er 1998 erstmals Regie, inszenierte mit riesigem Erfolg Andorra, 2001 folgte Ben Hur auf dem Tellplatz. Zum 100-jährigen Jubiläum der VSÖ übertrug man ihm 2006 die Regie für Wilhelm Tell, zum 50-jährigen Bestehen der Kaderschmiede in der Kirchstraße inszenierte er 2014 Die Hammelkomödie. Als man Beckert die Regie für Otello darf nicht platzen antrug, habe ich mich sehr gefreut. Die Arbeit auf der kleinen bühne sei ihm sehr wichtig. Hier kann ich den Volksschauspielen mit der Unterstützung der Jugendarbeit aus der Fülle meiner Kenntnisse vieles von dem zurückgeben, was ich von den VSÖ erhalten habe und erfahren durfte, resümiert der 69-Jährige.

Wenn er darüber spricht, wie sich im Lauf der Proben die Szenen entwickeln und Ideen der Spieler mit einfließen, kommt Beckert ins Schwärmen. Mit Otello darf nicht platzen geht für den Regisseur zudem ein großer persönlicher Wunsch in Erfüllung. Er arbeitet erstmals mit seiner Enkelin zusammen. Unsere Anna, die bereits in Der Drache mit ihrer Rolle als Lancelot dramatischen Eindruck machte, wechselt unter Opas Regie in das nicht einfache Komödienfach. Zur Familienangelegenheit wird das Stück mit Beckerts Tochter Isabel, die ebenfalls eine kleine Rolle bekleidet.

Wer noch Eintrittskarten für die Komödie ergattern möchte, muss sich sputen. Nahezu alle Vorstellungen sind ausverkauft.

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