Badisches Tagblatt, 23. Mai 2015

Ein Sprung von Bühne ins Bett

Rund um die Uhr arbeitet der Regisseur der Passion, Stefan Haufe, zwar nicht. Trotzdem verbringt er Tag und Nacht auf dem Gelände der Freilichtbühne Ötigheim. Der Grund: Während der Proben für das Stück Die Passion lebt er für zehn Wochen in einem Wohnwagen auf dem Areal der Volksschauspiele. Ich bin mit Strom versorgt und habe warmes Wasser, zeigt sich der 52-Jährige zufrieden. Für dringende Bedürfnisse benutzt er die Zuschauertoiletten, und geduscht wird in den Künstlergarderoben – allerdings nicht mehr nachts. Da laufen dann die Wachhunde herum, erzählt Haufe.

Dass er nun direkt dort leben kann, wo er auch täglich arbeitet, ist für Haufe mehr als praktisch. Ohne den Wohnwagen hätte ich mir etwas anmieten müssen, sagt der Regisseur. Die Idee für einen Wohnwagen habe er zum einen durch seinen Bruder bekommen, der sein altes Fahrzeug verkaufte. Zum anderen sei er aber auch schon oft mit umgebauten VW-Bussen auf Reisen gewesen. Ich habe schon immer gerne ein Bett unterm Hintern gehabt, als ich unterwegs war, schmunzelt Haufe.

Gerade in Ötigheim ist der kurze Weg nach Hause von Vorteil. Denn die meisten der Darsteller, die nicht hauptberuflich Schauspieler sind, proben abends oder am Wochenende – was für den Wahl-Mecklenburger bedeutet, dass er oft bis spät in die Nacht arbeiten muss. Ein weiterer Vorteil der rollenden vier Wände: Ich kann mich selbst versorgen, betont Haufe. Denn der Wohnwagen ist mit Herd und Kühlschrank ausgestattet.

Was er in seinem neuen Zuhause am meisten vermisst? Klar, die Familie! Seine Frau und seine beiden Kinder wohnen momentan 750 Kilometer entfernt. Haufe sieht sie derzeit nur jedes zweite Wochenende.

Ansonsten vermisst er eigentlich nichts. Der 52-Jährige überlegt. Einen Fernseher vielleicht, um manchmal Nachrichten sehen zu können. Und seinen Drucker, damit er die Probenpläne ausdrucken kann. Mehr fehlt ihm nicht. Für Haufe steht fest: Der Wohnwagen ist top. (hli)

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