Badische Neueste Nachrichten, 11. August 2017

Ein Poptraum in Weiß

Um die Bühne regnet es in Strömen, der Applaus donnert auf den gefüllten Rängen der überdachten Ötigheimer Freilichtbühne. Der Stimmung bringt das schlechte Wetter an diesem Abend keinen Abbruch, denn die sechs Musiker von One Night of Abba wissen, wie sie das Publikum in Höchstlaune versetzen. 1972 gegründet, erlebten Abba mit Waterloo zwei Jahre später den Durchbruch beim Eurovision Song Contest und ernteten weltweiten Erfolg, der nie abbrach. 1982 kündigte die Band eine bis heute andauernde Pause an.

Ob Abba-Monopoly oder Dancing Queen-T-Shirt, ein Besuch in der Ausstellung Abbaworld oder eine Musicalkarte für Mamma Mia – Fans haben viele Möglichkeiten, sich ihren Idolen nah zu fühlen. Doch die schwedische Popgruppe live zu erleben, bleibt ein Traum. An diesem Abend sind die Stars zum Greifen nah – fast jedenfalls! One Night of Abba bringt den Kult der 70er und 80er Jahre live auf die Bühne.

Die Erfolgsstory der Schweden ist der Kern der Revue. Sie ist ein Poptraum in Weiß: Glitzernde Schlaghosen, Trompetenärmel, Plateaustiefel und schillernde Pailletten sorgen mit bunten Retromustern auf LED-Leinwänden für die optische Zeitreise. Die schmeichelnd-helle Stimme von Rebecca Glantz als Agnetha und die ausdrucksstarke Röhre von Daniela Manske als Anni-Frid überzeugen gesanglich, doch das reicht den Damen und ihrer vierköpfigen Band nicht. Für die Show haben sie die Songs moderner arrangiert, um eine Hommage an ihr musikalisches Vorbild zu erschaffen. Rockiger und mit schnellerem Rhythmus gelingt ihnen das zweifelsohne nah am Original – ob man jedoch den Schlagercharakter von The Winner Takes It All derart zum Schunkellied verstärken muss, ist Geschmackssache. Gitarrist Mario Fischer alias Björn schafft es sogar, den Riff von Deep Purples Smoke On The Water in Abbas Mamma Mia einzubauen, während man bei Drummer Mario Kny den positiven Eindruck hat, er sei einer AC/DC-Coverband entsprungen. Die Mädels reißen das Publikum schließlich mit einem Mashup zwischen Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight) und Madonnas Hung Up vom Hocker. Augenzwinkernd versteht es Pianist Jens Kaufmann alias Benny unterhaltsam durch den zweieinhalbstündigen Abend zu führen. Jubelrufe zu Super Trouper, ein Publikumschor zu Thank You For The Music und das Instrumentalstück Intermezzo No.1 mit Bach’scher Verspieltheit machen schlichtweg Spaß! Money, Money, Money avanciert dann zum Mitsing-Highlight, und zum Abschlussmedley wird vor der Bühne die Tanzfläche eröffnet. (Elisa Walker)

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