Badische Neueste Nachrichten, 18. August 2016

Ein Fest der schnellen Schritte

Irischer Stepptanz in vollendeter Perfektion. Fliegende Füße, atemberaubende Beinarbeit und schöne Tanzfiguren – die Freilichtbühne der Volksschauspiele Ötigheim stand für einen Abend ganz im Zeichen des Tanzes. Bereits das fünfte Mal machte die Tanzshow Magic Of The Dance Station und bewies erneut, dass Volkstanz durchaus nicht antiquiert wirken muss. Vielmehr zeigte das eingespielte Ensemble, das sich aus Tänzern aus Irland, Großbritannien, den USA und Australien zusammensetzt, eine moderne Version des traditionellen irischen Tanzes. Der unterlag einst unzähligen Restriktionen. Schrittkombinationen waren vorgeschrieben, die Arme sollten möglichst am Körper anliegen, der Tänzer sollte sich nicht von der Stelle bewegen. Diese Form, die von der Commission of Irish Dancing überwacht wurde, wurde meist im Solo getanzt, obwohl ursprünglich Gruppentänze die Regel waren. Erst durch die weltweite Popularität, die der irische Tanz nach einem Auftritt der Formation Riverdance beim Grand Prix d’Eurovision 1994 erzielte, wurden moderne freiere Formen des Tanzes entwickelt. Bezeichnend für den irischen Stepptanz sind auch die Schuhe, die heute einen Fiberglaszehenkeil und Fiberglasabsatz besitzen, die sowohl laute Klicklaute produzieren, als auch keine Kratzer hinterlassen. Für die Tänzer sind die Fiberglasabsätze ein Segen, denn sie erlauben es federleichte Klicks auszuführen, was sie während der Show atemberaubend unter Beweis stellten.
Magic Of The Dance ist eingebettet in die Auswanderungsgeschichte der irischen Nation während der Zeit der Hungersnot. Es entspinnt sich eine Geschichte um Liebe und Tod, Mystik und Dämonen, um neue und alte Welt, die in wechselnden Kostümen in immer neuen Szenen getanzt wird. Es ist ein Fest der schnellen Schritte – und vor allem die geschwinden raumgreifenden Schritte mit nach oben schnellenden gestreckten Beinen faszinieren. Faszinierend sind die sich immer wieder überkreuzenden Unterschenkel. Präzise Schrittführung, die Knie unbeweglich nebeneinander, die Füße und Unterschenkel scheinen zu fliegen, vor allem Cathal Byrne, der den Widersacher des Hauptdarstellers Ciaran Maguire darstellt, ist ein brillanter Tänzer, der das Ganze federleicht erscheinen lässt. Einen Gegensatz zur irischen Tradition liefern drei Jungs aus Amerika, die als Seeleute und als Tänzer im Cotton Club in New York begeistern. Der unglaublichen Schnelligkeit der Iren setzen die Amerikaner eine nicht zu überbietende Lässigkeit entgegen. Hier ist der jazzige Rhythmus entscheidend, der bei allem mitschwingt und die Steppsequenzen, die über Stock und Stein getanzt werden, nicht minder mitreißend macht. Alles in allem ist Magic Of The Dance eine exzellent getanzte Show. Die Tanzszenen sind hervorragend ausgeführt, die Tänze und Schrittkombinationen mitreißend, so dass man die etwas unglaubwürdige und kitschige Hintergrundgeschichte gut verzeihen kann. (Beatrix Ottmüller)

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