Badisches Tagblatt, 17. Januar 2017

Ein Dorf lebt für die Bühne

Jährlich zieht es bis zu 100000 Besucher zu den Volksschauspielen nach Ötigheim. Fast alle Schauspieler sind Laien. Zum 110. Theatersommer bei den Ötigheimer Volksschauspielen hatte die Dorfgemeinschaft Victor Hugos Klassiker Les Misérables in der Spielzeit 2016 auf die Bühne gebracht. SWR-Filmemacher Harold Woetzel hat sie laut Mitteilung für seinen 90-minütigen Dokumentarfilm Das Wunder von Ötigheim – Ein Dorf spielt Theater ein Jahr lang begleitet. Der Film ist am Samstag, 21. Januar, um 20.15 Uhr im SWR-Fernsehen zu sehen.

Auf den ersten Blick ist Ötigheim ein Dorf in der Rheinebene wie Dutzende andere: 4500 Einwohner, diverse Gasthäuser, eine Grund- und Hauptschule, eine S-Bahnhaltestelle. Doch in einem Punkt ist Ötigheim anders: Tagsüber sind die Dorfbewohner Angestellte, Handwerker, Beamte, abends spielen sie Welttheater und werden zu Schauspielern oder Bühnentechnikern, Schneidern oder Musikern. Denn in diesem Dorf steht die größte Freilichtbühne Deutschlands, die Volksschauspiele Ötigheim – 1906 von Ortspfarrer Josef Saier gegründet, um nicht nur die Jugend von der Straße zu holen. Inzwischen pilgern in jedem Sommer bis zu 100000 Besucher zu den Vorstellungen.

Was in Ötigheim passiert, klingt wie ein Patentrezept gegen Phänomene wie Landflucht oder Dörfersterben, urteilt der SWR: Die Einwohner haben etwas, was sie zusammenhält. Schon von Kindesbeinen an sind viele Ötigheimer Teil des Ensembles und wachsen in ihre künstlerische Aufgabe hinein. Regisseure, die an den Volksschauspielen inszenieren, sollten so viele Ötigheimer wie möglich ins Stück einbinden, als Reiter, Balletteusen, Chorsänger, Kostümschneider, Bühnenbildner oder Inspizienten.

Im Sommer 2016 stand Les Misérables von Victor Hugo auf dem Spielplan. Der Film begleitet die Vorbereitungen von der ersten Textfassung über das Casting der Schauspieler bis hin zur Premiere

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