Badische Neueste Nachrichten, 18. Mai 2016

Theatersommer mit drei Schwerpunkten

Wilhelm Tell, die Jungfrau von Orléans und der Vogelfänger aus Mozarts Zauberflöte – sie alle kehren an Deutschlands größte Freilichtbühne zurück, wenn die Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ) am Sonntag, 29. Mai, mit einem Theaterfest anlässlich ihres 110-jährigen Bestehens in die neue Saison starten. Für die Jubiläumsshow am Abend haben Vorstand Werner Sachsenmaier und sein Team Höhepunkte aus den Programmen der vergangenen Jahre zusammengestellt. Tagsüber können Besucher Kostüme aus dem Fundus der VSÖ ersteigern, die Vorführungen des Schauspiel- und Chornachwuchses verfolgen oder die Arbeit von Maskenbildner Karl-Heinz Kellermann kennenlernen. Ein großes Feuerwerk bildet den Abschluss des Theaterfestes. Das gaben die Verantwortlichen bei einem Pressegespräch zur Eröffnung des Theatersommers bekannt. Mit dem Hauptstück Les Misérables, dem Musical Kiss me, Kate und den Festlichen Konzerten, die sich dem Thema Märchen widmen, setze der Theatersommer in diesem Jahr gleich drei musikalische Schwerpunkte, sagte Ulrich Wagner, musikalischer Leiter der Volksschauspiele.
Für Les Misérables, das am 11. Juni Premiere feiert, hatten sich Wagner und Regisseur Peter Lüdi die Unterstützung von Hans Peter Reutter, Professor für Musiktheorie an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, gesichert. Seine Bühnenmusik erfüllt die selben Aufgaben wie die Musik in großen Spielfilmen: Sie verstärkt Gefühle, verbindet Szenen und wirkt melodramatisch, sagte Lüdi, der das Stück für Ötigheim ganz neu verfasst und sich dabei bewusst vom gleichnamigen Musical abgesetzt hat. In Ötigheim braucht es Ballet- und Chorszenen. Da hätte keine der bisherigen Fassungen gepasst. Außerdem war es mir wichtig, den Schluss des Romans ernst zu nehmen. Viele Fassungen tun dies nicht. Aber erst der Schluss des Stückes lässt die für Victor Hugo so wichtigen Werte der Brüderlichkeit und der Barmherzigkeit sichtbar werden, so Lüdi weiter.
Rund 200 DIN-A-3-Seiten umfasst Reutters Partitur – zu viel, um sie live zu spielen, meint Wagner. Weil Kiss me, Kate und die Konzerte das VSÖ-Orchester schon bis an den Rand des Möglichen beanspruchten, werde die Bühnenmusik heute und morgen von der Philharmonie Baden-Baden eingespielt, sagte er und versicherte: Gesungen wird aber live.
Cole Porters Kiss me, Kate, das am Samstag, 6. August, zum ersten Mal auf der Ötigheimer Bühne zu sehen sein wird, sei nicht nur ein sehr intelligentes Stück, sondern auch die wohl gelungenste Komödie unter den Musicals, sagte Regisseur Stefan Haufe, der in Ötigheim bereits 2013 für die Inszenierung des Schwarzwaldmädel und für Die Passion im vergangenen Jahr verantwortlich war. Die Spielszenen, in denen sich Fred Grahams Schauspieltruppe an Shakespeares ,Der Widerspenstigen Zähmung‘ versucht, sind wichtig für das Verständnis, so Haufe.
Als Kinderstück wird auch in diesem Jahr Die kleine Hexe gespielt. Premiere ist am Samstag, 9. Juli. Weitere Aufführungen gibt es am 10., 15. und 16 Juli.
Die Festlichen Konzerte am Samstag, 22. Juli, und Sonntag, 23. Juli, beinhalten Stücke großer Komponisten wie Teile von Tschaikowskys Dornröschen, Puccinis Turandot oder Humperdincks Hänsel und Gretel. Als Solist tritt neben Sopranistin Lisa Hähnel zum ersten Mal – und auf eigenen Wunsch – Jay Alexander auf. Gemeinsam mit Marc Marshall gibt er außerdem auch wieder eines der Gastspiele auf der Freilichtbühne. Weitere Acts sind das Klassik-Quartett Adoro, das Tanzspektakel Magic of the Dance, die Rock Symphony Night und das Festival der Stimmen am Samstag vor dem Theaterfest. (Laura Fischer)

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