Badisches Tagblatt, 5. Dezember 2015

Dokumentarfilm übers Telldorf

Ein Dorf spielt Theater: Man muss nicht lange überlegen, worauf das nur gemünzt sein kann. Klar: Auf die Volksschauspiele Ötigheim. Es handelt sich um den Arbeitstitel eines 90-minütigen Dokumentarfilms fürs Fernsehen, den die Baden-Badener Kurhaus Production um Christoph Holthof und Daniel Reich produziert. Auftraggeber ist der Südwestrundfunk, mitfinanziert wird die Fernsehproduktion von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Regie führt der erfahrene Dokumentarfilmer Harold Woetzel.

Natürlich waren die Volksschauspiele Ötigheim und ihre Stücke auf Deutschlands größter Freilichtbühne schon häufig Thema von Fernsehbeiträgen im dritten Programm, allerdings meist im Rahmen von Nachrichtensendungen. Eine anderthalbstündige TV-Sendung, die den Verein, die vielen Akteure vor und hinter der Bühne und das ganze Drumherum ausführlich porträtiert, so etwas hat es aber noch nie gegeben, sagt Werner Sachsenmaier, der geschäftsführende Vorsitzende der Volksschauspiele.

Die Dreharbeiten vor Ort haben im September begonnen. Produzent Christoph Holthof rechnet mit rund 40 Drehtagen, bis genug Material im Kasten ist. Als gebürtiger Gaggenauer sind ihm die Volksschauspiele seit eh und je ein Begriff. Inzwischen besucht er die Aufführungen auch mit seiner Familie. Mich begeistert einfach die Leidenschaft, mit der die Ötigheimer bei der Sache sind, erzählt er. Ein ganz normales Dorf, in dem sich aber an die 2000 Menschen, junge und alte, Männer und Frauen, für eine gemeinsame Sache ins Zeug legen – das sei schon etwas ganz Besonderes. Und so freute es ihn, als er den SWR von der Idee überzeugen konnte, den Volksschauspielen einen Dokumentarfilm zu widmen.

Kerngedanke des Films ist, eine Produktion der Volksschauspiele von A bis Z zu begleiten. Das Hauptstück des kommenden Sommers Les Misérables soll im Mittelpunkt stehen. Wie ist es, wenn Regisseur Peter Lüdi die Romanvorlage von Victor Hugo fürs Theater bearbeitet? Welches Gesicht machen die Hauptdarsteller, wenn sie erfahren, für welche Rolle sie ausgewählt wurden? Wie lernen sie ihre Texte? Wie laufen die Proben ab? Wie arbeitet die Schneiderei, wo entstehen die Kostüme? Wer baut die Kulissen? Wer organisiert die Requisiten? Wie aufgeregt sind die Darsteller vor der Premiere? Solche und ähnliche Fragen soll der Film beantworten.

Und auch alte Hasen der Volksschauspiele werden porträtiert. Bei Werner Sachsenmaier war das Team schon zu Hause, schließlich kann er aus 60 Theaterjahren und von mehr als 40 Rollen berichten. Die Fernsehleute waren zum Beispiel beim Kameradschaftsabend des Theatervereins dabei und bei einer Veranstaltung der Tellplatzlerchen.

Rund ein Jahr hat sich Kurhaus Production für die Herstellung des Dokumentarfilms Zeit gegeben. Das Material schneiden wir schon parallel zu den Dreharbeiten, erklärt der Produzent, der voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit den Ötigheimern ist. Mit Harold Woetzel habe man einen Regisseur, der für uns schon seit Jahren eine sichere Bank ist. Holthof rechnet im September 2016 mit der Fertigstellung: Ich kann mir gut vorstellen, dass der SWR dann noch im Herbst sendet.

Die Baden-Badener Kurhaus Production hat eine Reihe interessanter Kino- und Fernsehfilme produziert, zum Beispiel Freier Fall (2013) um zwei homosexuelle Polizisten, der es bis zur Berlinale schaffte. Beim Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden und bei Debüt im Dritten liefen dieser Tage Das Hotelzimmer und Die Reste meines Lebens. (Sebastian Linkenheil)

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