Badische Neueste Nachrichten, 28. August 2014

Wir feiern heute Abend die Leichtigkeit des Seins

Das Stehaufmännchen Matthias Reim, der Schlager-Rocker, der Mann, der konsequent an seiner Philosophie namens Chaos festhält – so sieht der Star aus, den seine treuen Fans sehen wollen. Abgewaschene, zerrissene Jeans und das obligatorische weiße Shirt, das er zur blonden Strubbelmähne trägt, sind dabei die äußeren Attribute. Wie es tief in ihm nach der Insolvenz, nach vier Frauen und fünf Kindern sowie einer Reihe von klatschreifen Skandalen aussieht, das packt er in Songtexte.

Als er jetzt in Ötigheim die Freilichtbühne rockte, da hatte er sie alle mit dabei – die nostalgischen alten Gefühle aus der Zeit von Verdammt ich lieb’ Dich und die neuen Emotionen Marke Wer nie durch Scherben ging. Routiniert mischte er sein Publikum auf, das in unverkennbar weiblichen Frequenzen Begeisterungsschreie ausstieß. Wir feiern heute Abend die Leichtigkeit des Seins, kündigte er an und wandte sich damit insbesondere an die männlichen Gäste. Das die in so großer Zahl erschienen sind, das verblüffe ihn. Andererseits tue ich alles, was ich hier mache, zu 70 Prozent für Euch. Jungs, wenn ich heute Abend mit Euren Mädels fertig bin, habt Ihr es im Anschluss viel leichter. Denn Reim, das ist der Frauenversteher schlechthin, ist der Charmeur par excellence, der sich auch mit rund 60 Lenzen und tiefen Falten, die ihm das Leben ins Gesicht schrieb, das Jungenhafte bewahrt hat.

Von der Dummheit, von Worten, die nicht über die Lippen kommen wollen, von gebrochenen Männerherzen singt er, von Träumen und vor allem davon, dass er ein treuer Mann sei. Letzteres bejubeln die weiblichen Fans zwar lautstark, doch die heißen Blicke, die er und Geigerin Michaela Danner austauschen, die Erinnerung an Ex-Frau Mago, die ihm so wunderbar erotisch Ich hab geträumt von Dir über die Schulter trällerte und damit Ehefrau Nummer 1 in den Schatten stellte, lassen ein bisschen kauen an diesen Worten. Doch wirklich interessiert es die Mädels, die der Altersstufe von null bis 100 anzugehören scheinen, nicht. Sie feiern ihren Star mit Haut und Haaren.

Eine Halbzeit lang halten es die Hardcore-Fans aus, durch fest installiertes Mobiliar auf Distanz gehalten zu werden. Dann aber stürmen sie den kleinen Freiraum vor der Bühne, bewaffnet mit Blumen, Kameras und zum Selfie-Shot vorbereiteten Handys. Reim ist da, seit mehr als 20 Jahren erstmals wieder in der Region. Er habe sich nicht so richtig hergetraut, erklärt er. Ich war blöd, tadelt er sich selbst und verspricht eine Wiederholung des Abends, der vom immer wieder lautstark zu vernehmenden Publikumschor mitgetragen wird.
Verdammt ich lieb Dich und andere Klassiker lassen das Dach der Open-Air-Bühne am Ende des Programms schier erbeben, ehe er sich selbst ein ganz besonderes Geschenk macht. Ermuntert von seinem textsicheren Publikum, lässt er sich feiern mit O wie ist das schön, ein Loblied, das der spontan aus unzähligen Fanstimmen formierte Chor voller Leidenschaft für sein Idol intoniert, so dass Reim gar nicht anders kann als zu versprechen, bald wiederzukommen. (Christiane Krause-Dimmock)

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