Badische Neueste Nachrichten, 20. Januar 2014

Die richtige Antwort lautet Mäh

Mitten in das Geschehen hinein kommt der Besucher bei der ersten Premiere der Ötigheimer Volksschauspiele in diesem Jahr. Denn bereits vor dem Eintritt in die kleine Bühne, wo am Freitagabend Die Hammelkomödie zum 50-jährigen Bestehen der kleinen Bühne erstmals aufgeführt wurde, sitzt Schäfer Lämmlin (Maximilian Tüg) strickend vor seinem Schäferwagen und bestaunt emotionslos die in das Theater strömenden Premierenbesucher. Wenige Schritte weiter bemerkt der Zuschauer den geöffneten Vorhang und kann den Advokaten Doktor Patelin (Kurt Tüg) bei seiner Lieblingsbeschäftigung beobachten: schlafen.

Arbeiten, dass ist nichts für den gerissenen Winkeladvokaten. Dabei ist er hoch verschuldet und seine Frau Wilhelmine (Lissi Hatz) beklagt nicht nur einmal, dass sie seit Jahren kein neues Kleid mehr bekommen hat. Seine Faulheit will Patelin mit List und Gerissenheit ausgleichen und so macht er sich bald auf zu einem Tuchhändler (Roman Gallion).

Auch bei diesem Szenenumbau bleibt der Vorhang geöffnet, während Felix Behringer, Tobias Kleinhans und Patrick Speck das gemütliche Wohn- und Schlafzimmer von Patelin flink und geschickt in den Verkaufsraum des Stoffhändlers verwandeln. Hier beginnt der turbulente Reigen, mit dem Patelin alle übers Ohr haut. Den Stoffhändler bequatscht er so lange, bis dieser ihm einen wertvollen Stoff schließlich mit großer Freude ohne Bezahlung überlässt. Patelin freut sich und das Premierenpublikum amüsiert sich. Oft steckt die Pointe dabei im Detail, so dass es sich auszahlt, dass Regisseur Hannes Beckert mit den insgesamt fünf Akteuren die Dialoge genauestens einstudiert hat.

Dabei agieren auf der Bühne allesamt erfahrene Kräfte der Volksschauspiele. Einzig der Richter (Siegfried Kühn) stammt aus der Originalbesetzung aus dem Jahr 1977, als Die Hammelkomödie erstmals in Ötigheim zu sehen war. Damals unter der Regie des Gründers der kleinen Bühne, Willi Panter. Ihm widme ich meine Inszenierung, denn er hat mit seiner Arbeit mit jungen und älteren Spielern dazu beigetragen, dass wir erfolgreich sind, sagt Hannes Beckert. Sein Plan, die Originalbesetzung aus dem Jahr 1977 wieder aufleben zu lassen, scheiterte aus verschiedenen Gründen. So blieb einzig Gründungsmitglied Siegfried Kühn, der im zweiten Teil des Stückes in seinen Gerichtssaal einlädt.

Dort stehen sich der Tuchhändler und Doktor Patelin als Anwalt des Schäfers Lämmlin gegenüber. Der Vorwurf: Lämmlin soll 30 Schafe des Tuchhändlers gegessen haben. Um seinen Mandanten vor Gericht zu verteidigen, empfiehlt Patelin ihm, auf alle Fragen nur mit Mäh zu antworten, und ihm selbst das Reden zu überlassen. Das klappt hervorragend: Lämmlin wird freigesprochen und Patelin fühlt sich bereits als der große Sieger.

Am Ende zeigt sich, dass der aus dem 15. Jahrhundert stammender Stoff der Hammelkomödie, der auf der kleinen Bühne in der neuen Fassung von Gert Hofmann präsentiert wurde, frei nach dem Motto Wer anderem eine Grube gräbt, fällt selbst hinein zusammengefasst werden kann. Denn als Patelin seinen Mandanten um die Zahlung für seine Arbeit bittet, sagt dieser einfach nur Mäh – und behält sein Geld für sich. Dabei erleben die Premierengäste 90 unterhaltsame und amüsierende Minuten, für die sie sich mit einem warmen Applaus bedanken.

Alle weiteren Aufführungen der Hammelkomödie, die noch bis in den März auf der kleinen Bühne der Volksschauspiele in Ötigheim gezeigt wird, sind bereits ausverkauft. (Stephan Friedrich)

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