Badisches Tagblatt, 5. Juli 2018

Mit Herz und Seele der Ötigheimer Bühne verbunden

Der Theatervirus, den alle ehrenamtlichen Akteure der Volksschauspiele Ötigheim in sich tragen, gleicht einer suchtgefährliche Leidenschaft, die besonders heftig auf dem Tellplatz um sich greift. Dort machen viele Aktive in diesem Sommer die Freilichtbühne zu ihrem Wohnzimmer und sind in allen drei Produktionen mit dabei.

Zu diesen Dreifachtätern gehören Stefan Brkic und Kurt Tüg. Seit Start der Probenarbeit waren sie an drei Abenden pro Woche zu Hause. Rund 100 Proben von bis zu drei Stunden Dauer investierten Brkic und Tüg bislang. Derzeit geht Der Name der Rose in die heiße Phase. Die Familie kommt dabei nicht zu kurz, denn bei den Tügs und den Brkic-Beckerts grassiert der Theatervirus heftig, hat alle Familienmitglieder befallen. Jeder Einzelne hat hier seinem Tätigkeitsbereich, seinen persönlichen Spaß, erklärt Tüg. 1963 kam der Tausendsassa im Alter von elf Jahren zu den Volksschauspielen. 1973 spielte er seine erste kleine Sprechrolle. In über 50 Parts unterschiedlichster Fasson war er seither zu sehen.

Mit einem Puls von 160 fieberte er 1990 seinem Auftritt als Ben Hur entgegen, fragte sich damals, warum er sich das antue. Als Szenenapplaus über das Areal donnerte, war mir bewusst, dass ich es genau dafür mache. Mit Herz und Seele sei man in Ötigheim der Bühne verbunden, wolle den Zuschauern Vergnügen bereiten, erklärt Tüg. Es gehöre aber vor allem dazu, dass wir selbst unsere Freude dabei haben.

Auch Stefan Brkic sieht trotz vieler anstrengender Proben gerade in der zeitintensiven Endphase vor der ersten Aufführung eines Stücks die Quintessenz darin, nach der Premiere den Applaus des stehenden Publikums entgegenzunehmen. Um die Gunst der Zuschauer zu genießen, bedarf es jedoch keiner Hauptrolle. In Dschungelbuch – Das Musical ist Brkic nur kurz zu sehen. Er ist ein Elefant in der Truppe von Oberst Hathi. Diesen gibt Kurt Tüg. Wir haben einen einzigen Auftritt, sind beim Schlussbild wieder mit dabei. Im Mittelalterkrimi Der Name der Rose ist Brkic der Glasermeister Nicolas von Morimond, überlebt die Mordserie im Benediktinerkloster, dem Tüg als imposanter Abt Abbo von Fossanova vorsteht. Besucher der Operette Der Vogelhändler erleben Tüg singend (Professor Würmchen) neben seinem Sohn Johannes (Professor Süffle) mit dem Klassik-Evergreen Ich bin der Prodekan. Brkic gehört in dem Stück zum kurfürstlichen Hof als Kammerherr von Scharnagel.

Seit 2001 ist der hauptberufliche Vollziehungsbeamte Teil der VSÖ. Im Schauspiel Wilhelm Tell gab Brkic 2006 seine erste Sprechrolle, den Meier von Sarnen. Rückblickend ist er mächtig stolz auf sein Debüt mit Text, das er ausgerechnet in dem für den Tellplatz namensgebenden Drama haben durfte. Während Brkic den Theaterspaß erst nach Feierabend auslebt, ist Pensionär Tüg terminlich beweglicher. Das hatte Vorteile bei den Gesangsproben mit dem Korrepetitor, sagt er. Beide Akteure sind gespannt auf den Herbst. Dann werden die Rollen für den Theatersommer 2019 verteilt. Wir nehmen, was kommt, sagt Brkic. Über etwaige Traumrollen schweigen sich beide aus, sind sich aber einig: Mal einen völlig durchgeknallten Psychopathen spielen, das wäre schon eine große Herausforderung. (Manuela Behrendt)

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