Badische Neueste Nachrichten, 29. Oktober 2015

Alltagsbanalitäten vergnüglich inszeniert

Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt keine Karten mehr für Das Beste von Loriot, das am 6. November auf der kleinen Bühne in Ötigheim Premiere hat. Und jetzt die gute: Wer eine der Karten für die insgesamt zwölf Vorstellungen ergattert hat, darf sich auf einen äußerst vergnüglichen Theaterabend freuen mit hintersinnigem Humor, Betrachtungen über die Banalitäten im Alltag und gestörte Kommunikationsprozesse, aus denen vor allem Victor von Bülows Wirkung erwuchs.
Bereits zum dritten Mal inszeniert Fritz Müller in Ötigheim einen Abend allein mit Sketchen von Loriot. 1995 setzte er erstmals die Idee um, die ihn seit den 1980er Jahren beschäftigte, als er einen Loriot-Abend in Freiburg erlebte. Das wäre doch ’was für Ötigheim, für die kleine Bühne, war damals seine spontane Idee, die er dann 1995, 2005 und 2015 umsetzte. Ich habe einen Mix aus den ersten zwei Abenden zusammengestellt und drei neue Loriot-Sketche dazu komponiert, so Müller, der selbst bei einigen mitspielt. Wir hatten einen kleineren Wechsel in der Besetzung, da musste angepasst werden. Insgesamt sind es sieben Schauspieler und vier Kinder. Zwei spielen, die anderen sind Doppelbesetzungen, um die zeitliche Belastung nicht zu groß werden zu lassen. Es ist nicht mehr viel Zeit bis zur Premiere am 6. November, entsprechend steigt die Nervosität an diesem Probeabend, der ein erster Durchlauf ist.
Heute testen wir, wie es mit dem Umbau klappt, ob jeder Spieler seine Requisiten beisammen hat und seinen Text kann. Dass der Text genauso gesprochen wird, wie Loriot ihn geschrieben hat, sei ein entscheidendes Kriterium, ob die Aufführung eines Sketches gelingt, der Zuschauer den oftmals etwas verschwurbelten Sinn, die Komik, die Pointe erkennen kann. Und es ist wichtig, ganz präzise zu sprechen, was für die Laienschauspieler immer wieder eine Herausforderung darstellt. Ich versuche, möglichst nah an die Vorstellungen von Victor von Bülow heranzukommen, sagt der Regisseur, der nichts davon hält, aus den intelligent choreografierten Sketchen Klamauk zu machen. Dafür seien sie zu schade. Natürlich habe jeder die berühmten Filme im Hinterkopf. Bei den ersten zwei Inszenierungen haben wir in der Gruppe uns diese erst angesehen, als unsere Probearbeit beendet war.
Für diese Produktion war die Zeit für die Proben eh relativ kurz, Mitte September haben sie begonnen. Ich habe die Sketche so ausgewählt und zusammengestellt, dass die Umbauten dazwischen nicht zu üppig ausfallen und möglichst rasch über die Bühne gehen. Dass da Hand in Hand gearbeitet wird, nur noch kleine Details wie Das Bank-Sessel-Stuhl-Ensemble muss noch eine Idee weiter nach links, damit wir mit dem Klavier Platz haben perfektioniert werden müssen, zeigt sich bei dieser ersten Durchlaufprobe: Routiniert werden die Tragegurte an das Klavier getackert, nimmt die Familie samt den zwei Jungs auf dem Biedermeier-Sofa Platz und wird von imaginären Kuchentellern gegessen. Brauche ich in der Szene eine Brille, bereitet sich die Fernsehjournalistin derweil auf den nächsten Sketch vor. (Martina Holbein)

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