Badische Neueste Nachrichten, 12. Juni 2015

Vom Ohrensessel aus durch Mittelerde geleitet

Kultstatus erlangte Christopher Lee, der am Sonntag mit 93 Jahren in London gestorben ist, in den vergangenen Jahrzehnten vor allem durch seine Darstellung von Bösewichtern wie Graf Dracula oder als Mann mit dem goldenen Colt in James Bond. Als sehr zugänglich erlebte dagegen Rudi Wild, bei den Volksschauspielen Ötigheim für den Spielbetrieb zuständig, den 1,96 Meter großen Hünen bei einem Starauftritt am 26. Juli 2008 auf dem Tellplatz.
Als Gastspiel wurde an diesem Tag Tolkiens Herr der Ringe als musikalisch-erzählerische Inszenierung aufgeführt. Von einem großen Ohrensessel aus kommentierte der Brite als Erzähler das Geschehen rund um bekannte Melodien, Geschichten, Gedichte und Kompositionen vom Schauplatz Mittelerde – und das alles mit seiner einzigartigen Stimme auf Deutsch. Für den Auftritt haben wir kurzfristig noch ein Dutzend Fackelträger in schwarzen Mänteln aus unserem Statisten-Pool organisiert, erinnert sich Wild im BNN-Gespräch: Bereits einen Tag zuvor war Lee zur Generalprobe angereist. Man habe den Bühnenaufbau durchgesprochen und den Platz für den großen Sessel auf der Vorbühne festgelegt, weiß Rudi Wild zu berichten, der auf der Freilichtbühne für die Erstellung der Probenpläne, Absprachen mit den Regisseuren und Organisation der Requisiten verantwortlich ist.
In der Pause sei Lee für Autogrammwünsche aufgeschlossen gewesen und habe auch sonst keinerlei Starallüren an den Tag gelegt: Der Auftritt war eine große Ehre für die Volksschauspiele, so Wild, der sich mit dem Schauspieler auch auf Deutsch verständigen konnte.
Während der Hollywood-Star in der Film-Trilogie den Saruman spielte – ein Wanderer zwischen den Welten mit magischen Kräften – übernahm Lee beim Ötigheimer Gastspiel mit seiner markanten Stimme die Rolle des Erzählers, der die Zuschauer durch Tolkiens Sagenwelt begleitete. Auch privat soll Christopher Lee ein alter Herr-der-Ringe-Fan gewesen sein: Bereits in den 1950er Jahren war er der Magie des Buches erlegen und fasziniert von der plastischen und detailreichen Geschichte sowie der eigens entwickelten Kunstsprache. (Heike Schaub)

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